Die Berufsaussichten in den USA für neue Absolventen in
Chemie und chemischer Technik zeigen sich derzeit nicht in den rosigsten
Farben, wie in „Chemical & Engineering News“ (C & EN, 25. November
2002) berichtet wird.
Der Bedarf des letzten Jahres an neuen Absolventen war
beträchtlich geringer als im vorangegangenem Jahr, da die Firmen weniger
Personen eingestellt haben. Sogar Pharmaunternehmen, die für Chemiker in
den letzten Jahren eine aussichtsreiche Bewerbungsadresse boten, haben die
Zahl der Neuanstellungen eingeschränkt. Die Arzneimittelhersteller und
auch Universitäten verschieben ihre Neuanstellungstermine, und während sie
auf Zeichen von ökonomischer Erholung warten, wird es für Absolventen in
Chemie oder chemischer Technik im Vergleich zu den Vorjahren schwieriger,
die erste Anstellung zu finden.
Laut C & EN - herausgegeben von der „American
Chemical Society“, der größten wissenschaftlichen Gesellschaft der Welt –
zeigte die Arbeitslosenquote unter Chemikern ein 30-jähriges Hoch von 3,3
% im März, mehr als das Doppelte der Gesamtsumme von 1,5 % des letzten
Jahres.
"Ich habe die Arbeitstrends in der
chemischen Industrie von mehr als 30 Jahre studiert," sagt Madeleine
Jacobs, C & EN Chefredakteurin. "Nach Überprüfung dieser Daten
komme ich zu dem Schluss, dass die Arbeitsaussichten für 2003 schlecht
sind, ähnlich wie in anderen Jahren, zuletzt Mitte der 1990er."
C & EN
sagt, dass es viele Faktoren gibt, die den Negativtrend für den
Arbeitsmarkt im Jahr 2003 bewirken.
Die Wirtschaft ist immer noch
schwach, Experten fürchten noch immer, dass eine „double-dip recession“
(ein konjunkturelles Tief mit zwei rezessiven Wellen) möglich ist und die
Börse deprimiert bleibt. Außerdem erhöht die latente Gefahr eines
ausgedehnten Krieges gegen den Terrorismus und den Irak die Angst in der
Wirtschaft.
Die größte Änderung in der
Arbeitssituation resultiere nicht daraus, dass die allgemeine Situation
schlecht sei, sondern dass sie gleich bleibend ist, sagt Ron Webb, Manager
für Personalanwerbung- und Universitätsbeziehungen bei Procter & Gamble.
Er bemerkt, dass sogar das Gesundheitswesen, ein Teil des Arbeitsmarktes,
der traditionell stabil ist, beginne, über einen konjunkturellen Rückgang
bei den Einstellungen zu berichten.
Trotz der wachsenden Probleme in der
Wirtschaft hat C & EN herausgefunden, dass es noch Stellen gibt,
die für Chemiker und Chemieingenieure verfügbar sind, der Kampf um diese
Stellen jedoch hart ist. Studenten mit überzeugenden Lebensläufen und
Geschick beim Einstellungsgespräch können erwarten, lohnende
Stellenangebote zu erhalten, während andere viel intensiver und länger
suchen müssen, als es in der Vergangenheit erforderlich war.
Eine kleiner Lichtblick: Der
gesteigerte Fokus auf nationale Sicherheit und der Kampf gegen den
Terrorismus schaffen neue Arbeitsplätze für Chemiker, und nicht alle
Arbeitgeber schließen sich dem Einstellungsstopp an. Dupont, eine der
größten Unternehmen in den USA, rekrutiere aktiv Chemiker aus dem
universitären Bereich, sagt der für die Einstellungen verantwortliche
Firmenmitarbeiter Lin Wang. Er erklärt, dass diese Philosophie die
verbesserte finanzielle Leistungsfähigkeit des Unternehmens reflektiere.
Außerdem hat ein anderer großer Konzern - ExxonMobil - die Zahl seiner
Praktikanten im Sommer nicht reduziert.
Die Konjunktur in biopharmazeutischen
Firmen zeigt ein gemischtes Bild. Während die 30 Biotechnologiefirmen, die
C & EN regelmäßig beobachtet, für die ersten 9 Monate des Jahres
2002 über Verdienstrückgänge berichteten, steigen sie in einigen anderen
Firmen, so dass es hier wieder zu aktiven Stellenausschreibungen kommt.
27. November 2002, AJ |