Mechanische Kraft als
Energiequelle chemischer Reaktionen
Nanodrähte mit einem Durchmesser von nur einem
einzigen Atom erzeugten Chemiker und Physiker der RUB und der
Universität Münster im virtuellen Labor: Sie zeigten durch
Computersimulationen, dass man an einem "molekularen Haken" kurze
monoatomare Golddrähte aus einer Oberfläche oder einem Cluster
herausziehen kann. Mit dem Einsatz mechanischer Kraft als
Energiequelle für chemische Anwendungen verfolgen sie eine neue
Denkrichtung und schließen so die Lücke zwischen Chemie und Nanophysik.
Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher in der Zeitschrift
"Angewandte Chemie" vom 23. Mai 2003, Nr. 162:
RUB-Forscher ziehen am
"molekularen Haken"
Neue Denkrichtung:
Mechanische Kraft als Energiequelle in der Chemie
Grundlagenforschung
im virtuellen Labor
Nanodrähte mit einem Durchmesser von nur einem
einzigen Atom erzeugten Chemiker und Physiker um Prof. Dr. Dominik
Marx (Lehrstuhl für Theoretische Chemie der RUB) und Prof. Dr. Harald
Fuchs (Physikalisches Institut der Universität Münster) im virtuellen
Labor: Sie zeigten durch Computersimulationen, dass man an einem
"molekularen Haken" kurze monoatomare Golddrähte aus einer Oberfläche
oder einem Cluster herausziehen kann. Mit dem Einsatz mechanischer
Kraft als Energiequelle für chemische Anwendungen verfolgen sie eine
neue Denkrichtung, denn bisher standen thermische, photochemische oder
elektrische Energiequellen bei chemischen Reaktionen im Vordergrund.
So schließen sie die Lücke zwischen Chemie und Nanophysik. Über ihre
Ergebnisse berichten die Forscher in der Zeitschrift "Angewandte
Chemie" vom 23. Mai 2003 (Titelthema).
An einem molekularen Haken SCH2 CH3
lässt sich aus einem Goldcluster ein mono-atomarer Draht herausziehen.
Dabei findet innerhalb des Clusters eine selbsttätige Reorganisation
metallischer Bindungen statt.
Bindungen
reorganisieren sich
Als
Oberfläche bzw. Cluster, aus dem der Draht gezogen werden soll,
wählten die Bochumer und Münsteraner Forscher Gold. Als Ankermoleküle
dienten bei den Berechnungen sog. Thiolatmoleküle, bestehend aus einem
Schwefelatom an einer kurzen Kohlenwasserstoffkette (SCH2CH3).
Solche Moleküle reagieren gut mit Gold und gehen damit besonders
innige Bindungen ein, sodass sie auch als Film auf Goldoberflächen
aufgebracht werden können. Senkt man nun die Spitze eines atomaren
Rasterkraftmikroskops (Atomic Force Microscope, AFM), versehen mit dem
molekularen Haken SCH2 CH3, auf eine solche Oberfläche ab, so geht er
eine Bindung mit dem Goldaggregat ein. Vergrößert man danach die
Entfernung zwischen Spitze und Oberfläche unter Kraftanwendung wieder,
so zieht die Spitze einen monoatomaren Golddraht aus dem Goldaggregat
heraus. Dabei bilden sich als Zwischenprodukte kleine Goldkomplexe aus
wenigen Atomen, die mit dem Ankermolekül zusammen von der Oberfläche
weggezogen werden. Während des Ziehens findet eine permanente
Reorganisation metallischer Bindungen innerhalb des Goldclusters
statt. Nach und nach werden die Atome über eine Kaskade von
Umwandlungen (Isomerisierungen) zu einer Kette auseinandergezogen.
Kraftaufwand berechnet
In ihren neuen Berechnungen prüften die Forscher,
ob dieses Drähteziehen auch aus kleinsten Goldclustern heraus
funktioniert. In ihnen sind die Bindungen zwischen den einzelnen
Atomen wesentlich stärker als bei Oberflächen. Das überraschende
Ergebnis: Das Ziehen von solchen Drähten aus Clustern funktioniert
nicht nur, es wird auch fast dieselbe Kraft benötigt wie im Fall von
Oberflächen. Der Kraftaufwand bewegt sich wie erwartet im Bereich
weniger nano-Newton. Interessanterweise lassen sich die
Isomerisierungsschritte auf atomarer Ebene anhand des Verhaltens der
Kraft als Funktion des Abstands detailliert verfolgen. In einem
weiteren Schritt könnte darüber nachgedacht werden, die kleinen
Goldcluster ihrerseits auf nichtleitende Oberflächen aufzubringen und
sie "zu verdrahten", so die Forscher.
26. Mai 2003
Quellen und weitere Informationen:
-
Daniel Krüger, Roger Rousseau, Harald Fuchs, Dominik Marx:
Auf dem Weg zur "Mechano-Chemie": mechanisch induzierte Isomerisierungen
von Thiolat-Goldclustern. In: Angewandte Chemie, Bd. 20, 23. Mai 2003,
siehe auch: