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Wissenschaftler des
Max-Planck-Instituts (MPI) für Biochemie entwickeln seit Jahren so
genannte optische Nahfeldmikroskope, um das Beugungslimit der
Lichtmikroskopie zu überwinden. Beugung führt dazu, dass mit
konventionellen Lichtmikroskopen alle Details, die kleiner sind als
die Wellenlänge des Lichts, nicht mehr scharf abgebildet werden
können. Als Pioniere der ultrahochauflösenden Nahfeldmikroskopie
konnten der Nachwuchswissenschaftler Rainer Hillenbrand und seine
Forschungsgruppe "Nano-Photonics" selbst mit langwelligem
Infrarotlicht Auflösungen im Nanometerbereich erreichen [1,2]. Damit
haben sie die Auflösung der konventionellen Infrarotmikroskopie
mittlerweile um den Faktor 500 verbessert und die optische
Lichtmikroskopie für die hochaufgelöste optische Charakterisierung von
Nanostrukturen sowie für die biomolekulare Forschung nutzbar gemacht.
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Abb. 1: Darstellung eines
Goldfilms in einem Infrarot-Nahfeld-Mikroskop, das mit einer
Siliziumkarbid-Superlinse kombiniert wurde. Die Abbildung zeigt
links ein elektronenmikroskopisches Bild des strukturierten
Goldfilms (A), in der Mitte das Bild bei jener Wellenlänge des
Infrarotlichts, bei der die Siliziumkarbid-Schicht ihre
Superlinsen-Eigenschaften voll entwickelt (B) und rechts ein
Kontroll-Bild bei einer Wellenlänge, bei der Siliziumkarbid keine
Superlinsen-Eigenschaft besitzt.
Bild: Max-Planck-Institut
für Biochemie |
Hillenbrand und sein Postdoktorand Thomas Taubner
hatten die Idee, ihr Nahfeldmikroskop mit einer so genannten
Superlinse zu kombinieren, um sowohl die Funktionalität ihres
Nahfeldmikroskops als auch die der Superlinse zu erweitern. Die
Entwicklung von Superlinsen ist ein international sehr aktuelles
Forschungsthema, denn auch Superlinsen ermöglichen hoch aufgelöste
optische Lichtmikroskopie. Allerdings war bisher noch unklar, wie man
Superlinsen in ein optisches Mikroskopiesystem integrieren könnte.
Auch stand die experimentelle Demonstration aus, dass sich damit
tatsächlich kleine zweidimensionale Objekte abbilden lassen. Die
Martinsrieder Physiker haben nun beides demonstriert und die
Lichtmikroskopie damit einmal mehr einen gehörigen Schritt voran
gebracht.
Das theoretische Konzept der Superlinse wurde im
Jahr 2000 von Sir John Pendry am Imperial College, London, entwickelt.
Die einfachste Form einer Superlinse ist eine dünne Scheibe eines
Materials mit negativem Brechungsindex. Materialien mit einer solchen
exotischen Eigenschaft sind derzeit allerdings noch in der
Entwicklung. Sobald die Scheibe allerdings dünner als die verwendete
Wellenlänge ist, können natürliche Materialien benutzt werden. Eine
dünne Superlinse beispielsweise aus Silber ermöglicht optische
Abbildungen mit einer Auflösung jenseits des Beugungslimits. Das
mikroskopische Bild der Superlinse wird allerdings nicht vergrößert
und kann nur indirekt mit aufwändigen Lithographiemethoden sichtbar
gemacht werden. Durch die Kombination einer Superlinse mit ihrem
Infrarot-Nahfeldmikroskop demonstrieren die MPI-Wissenschaftler nun
erstmals die Möglichkeit, das Bild einer Superlinse durch optische
Mikroskopie darzustellen. Die Martinsrieder Forscher setzen dabei eine
Superlinse ein, die von Gennady Shvets und seinen Kollegen der
Universität in Austin, Texas, speziell für sie angefertigt worden war
und die aus einer nur 440 Nanometer (nm) dicken SiC-Schicht besteht,
die auf beiden Seiten von einer 220 nm dicken Silizium-Oxid (SiO)
Schicht umgeben ist (s. Abb. 2).
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Abb. 2: Kombination eines
Nahfeldmikroskops mit einer Superlinse: Das von der Siliziumkarbid
(SiC)-Superlinse (hellblau) erzeugte Bild der Objekte (kleine
Löcher in einem Goldfilm, in der Figur ganz unten dargestellt)
erscheint an der Oberfläche und wird dort von der Nahfeldsonde,
einer scharfen Abtastspitze (hellgrau), gestreut. Die roten Pfeile
stellen den Infrarotlicht-Strahl dar, die roten Flächen das
Infrarot-Nahfeld.
Bild: Max-Planck-Institut
für Biochemie |
In der Nahfeldmikroskopie wird die Probenoberfläche
mit einer sehr feinen Sonde abgetastet, um die so genannten
elektromagnetischen Nahfelder des Objekts zu erfassen. Jedes noch so
kleine Objekt ist bei Beleuchtung von Nahfeldern umgeben, welche nicht
dem Beugungslimit unterliegen, aber alle optischen Details des Objekts
enthalten. Aus ihnen lassen sich Bilder mit ungeheurer Detailschärfe
gewinnen. Ein Nachteil der Nachfeldmikroskopie war bisher, dass sie
nur auf Oberflächenuntersuchungen beschränkt ist. Ein Einsatz in der
Qualitätskontrolle von vergrabenen Halbleiterstrukturen war deshalb
nur bedingt möglich. Der Blick ins Innere von Zellen war ganz
ausgeschlossen: Der mechanische Kontakt der Sonde mit der weichen
Membran und die wässrige Umgebung, die eine lebende Zelle benötigt,
erschweren auch die Aufnahme hoch aufgelöster Bilder von
Zelloberflächen.
In ihrem Demonstrationsexperiment platzierten
Taubner und Hillenbrand die Superlinse zwischen die Sonde des
Nahfeldmikroskops und dem "Objekt", einem mit Löchern durchsetzten
hauchdünnen Goldfilm, der durch die Linse hindurch mit Infrarotlicht
beleuchtet wurde. Die SiC-Superlinse verstärkt die Infrarot-Nahfelder
des Objekts und verhält sich somit ähnlich einer Superlinse aus Silber
für UV-Licht. Mit der Nahfeldsonde konnten die Physiker das Nahfeld
des Goldfilm-Testobjektes an der Siliziumoxid-Oberfläche abtasten, die
dem Objekt gegenüber lag, und aus dem Streulicht der Nahfeldsonde ein
Infrarotbild gewinnen, das sehr deutlich die Objekte - das Lochmuster
des Goldfilms - zeigte. Damit erbrachten sie den Beweis, dass Objekte,
deren Größe nur ein Zwanzigstel der Wellenlänge des eingestrahlten
Infrarotlichtes betrug, also 540 Nanometer, erkannt werden konnten,
obwohl sie mehr als 880 Nanometer von der Spitze des Nahfeldmikroskops
entfernt waren.
Die Bilder der Martinsrieder Forscher liefern damit
die höchste relative Auflösung (bezogen auf die Wellenlänge), die
jemals mit einer Superlinse erzielt wurde. Das extrem aufwändige
Lithografie-Verfahren zum Sichtbarmachen des Bildes entfiel
vollständig. Die Forscher konnten auf diese Weise erstmalig Bilder
einer Superlinse mit einem rein optischen Verfahren aufzeichnen.
Die Resultate der Martinsrieder Forscher haben weit
reichende Konsequenzen sowohl für die Entwicklung moderner und
zukünftiger Hochtechnologien als auch für deren industrielle
Qualitätskontrolle. "Die Kombination von Superlinse und
Streulicht-Nahfeldmikroskopie hat vielfältige Anwendungsmöglichkeiten
in völlig unterschiedlichen Gebieten", so Rainer Hillenbrand, der als
Preisträger im Nachwuchswettbewerb Nanotechnologie vom
Bundesforschungsministerium für dieses Forschungsprojekt gefördert
wird. "Unser Infrarot-Nahfeldmikroskop mit Superlinse ermöglicht es
der Halbleiterforschung, elektronische oder optoelektronische
Bauelemente enorm detailliert optisch untersuchen und auch
kontrollieren zu können".
Insbesondere ist es nun möglich, in die Tiefe zu
schauen, ohne die Probe dabei zu beschädigen. Denn viele Bausteine der
Nanotechnologie sind extrem empfindlich und müssen deshalb durch
entsprechende Beschichtungen geschützt werden. Durch
Reflexionsbeleuchtung könnten sogar Bauelemente auf undurchsichtigen
Substraten abgebildet werden.
Auch für die biologische und medizinische Forschung
ist die Kombination "Nahfeldmikroskop-Superlinse" von höchstem
Interesse: Die Nahfeldsonde kann völlig störungsfrei Biomaterialien
abtasten, da sie keinen Kontakt mit ihnen bekommt. Bisher bereitet der
mechanische Kontakt zwischen den Nahfeldsonden und den weichen
Biomaterialien große Schwierigkeiten, so dass man keine scharfen
nahfeldmikroskopische Bilder erhielt. Zum Studium von Proteinen oder
Membranen an lebenden Zellen müssen diese zudem in einem wässrigen
Kulturmedium gehalten werden. "Diese Probleme können durch den Einsatz
einer Superlinse umgangen werden, weil bei unserer neuen Technik
biologische Objekte in ihrer natürlichen Umgebung räumlich von der
Nahfeldsonde getrennt sind", so Thomas Taubner, der mittlerweile an
der Universität in Stanford, USA, forscht. "Die Abbildung der
Linsenoberfläche mit dem Nahfeldmikroskop stört weder die biologischen
Objekte noch muss die Nahfeldsonde in Flüssigkeit getaucht werden."
Mit ihrer neuen Entwicklung haben die Physiker aus
Martinsried die internationale Messlatte in der optischen
Nahfeldmikroskopie erneut angehoben. In Zukunft wollen die
Wissenschaftler mit noch dünneren und noch besseren Superlinsen die
Auflösung ihrer Technik bis in die Dimension von Makromolekülen
vorantreiben. [ED/AT] |