Helmholtz-Forscher mit japanischem Geopreis geehrt -
Methanproduktion von Mikroorganismen in der tiefen Erdkruste
Auslöser ist bei Erdbeben freigesetzter
Wasserstoff.
Melbourne/Leipzig/Potsdam. Karin Bräuer vom
Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) und Horst Kämpf vom
GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) sind mit dem Geochemical Journal
Award geehrt worden. Sie nahmen den Preis am 1. September auf der
Goldschmidt-Konferenz im australischen Melbourne stellvertretend für
eine deutsche Forschergruppe entgegen, an der neben den
Helmholtz-Zentren UFZ Leipzig-Halle und GFZ Potsdam auch
Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
Hannover, der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und
des Institutes für Nichtklassische Chemie (INC) Leipzig beteiligt
sind.
Das Egerbecken am Dreiländereck Böhmen-Bayern-Sachsen gilt
als eines der sesimisch aktivsten Gebiete in Mitteleuropa.
Wissenschaftler bei der Probennahme an einer anderen
Gasaustrittsstelle (v.l.n.r. Dr. Horst Kämpf, GFZ Potsdam; Dr.
Gerhard Strauch/UFZ Leipzig; Dr. Karin Bräuer/UFZ Halle)
Fotos: André Künzelmann
Der Geochemical Journal Award wird jährlich
von der Geochemischen Gesellschaft Japans für die besten Publikation
des Jahres vergeben. Die Geochemische Gesellschaft Japans wurde 1953
gegründet und zählt über 1000 Mitglieder. Der Preis wird jährlich auf
der Goldschmidt-Konferenz überreicht. Der Chemiker Victor Moritz
Goldschmidt gilt als einer der Begründer der modernen Geochemie.
Die tiefe Biospäre
Die deutschen Wissenschaftler erhielten die Ehrung für eine
Publikation über die Methanproduktion von Mikroorganismen in der
tiefen Erdkruste, die durch bei Erdbeben freigesetzten Wasserstoff
ausgelöst wird. Die Wissenschaftler waren auf diesen Effekt bei einer
Zeitreihenuntersuchung (Monitoring) der Gas- und
Isotopenzusammensetzung des Quellgases der Wettinquelle, einer
Mineralquelle im sächsischen Bad Brambach, gestoßen. Während des
Beobachtungszeitraumes gab es zwischen August und Dezember 2000 eine
Periode stärkerer Schwarmbeben, infolge dessen der Methangehalt im
Quellwasser anstieg. Isotopenanalysen am Methan deuteten auf
mikrobiell gebildetes Methan. Die Wissenschaftler vermuten daher einen
Zusammenhang zwischen seismischer Aktivität und der Methanproduktion
durch Mikroorganismen, die als Energiequelle Wasserstoff nutzen, der
durch die Beben aus den Rissen des Granitgesteins freigesetzt wird.
Die Untersuchungen wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) gefördert.
Schwarmbeben im Dreiländereck
Die Region im Dreiländereck Sachsen-Bayern-Böhmen gilt als eines der
seismisch aktivsten Gebiete in Deutschland. Im Zeitraum einiger Tage
bis mehrerer Wochen kann es dann im vogtländisch-böhmischen
Grenzgebiet zu Tausenden von schwachen Erdstößen kommen. Die
Spannungen entladen sich nicht in einem großen Einzelbeben, sondern in
vielen kleinen Minibeben. Die Wissenschaftler nennen dieses Phänomen
Schwarmbeben. Erdbeben entstehen in der Regel an Grenzen zwischen zwei
tektonischen Platten. Von diesen tektonisch aktiven Plattengrenzen ist
das Vogtland aber weit entfernt. Bereits im letzten Jahr hatten die
Wissenschaftler um die Isotopenchemikerin Karin Bräuer vom UFZ einen
Hinweis für das Entstehen dieser Schwarmbeben geliefert. Ihrer
Hypothese zufolge sind ständig aufsteigende, CO2-dominierte Gase aus
einem Magmenreservoir, das in etwa 25 bis 35 Kilometer Tiefe unter dem
Egerbecken vermutet wird, die Ursachen für diese Erscheinung.
Das
UFZ Leipzig-Halle ist das Helmholtz-Zentrum für
Umweltforschung. Es erforscht die komplexen Wechselwirkungen
zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten
Landschaften, insbesondere dicht besiedelten städtischen und
industriellen Ballungsräumen sowie naturnahen Landschaften. Das
GFZ Potsdam umfasst als Helmholtz-Zentrum für Geoforschung alle
Disziplinen der Geowissenschaften von der Geodäsie bis zum
Geoingenieurwesen und betreibt sie in einem engen
interdisziplinären Verbund mit den benachbarten
Naturwissenschaften Physik, Mathematik und Chemie sowie den
ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen Felsmechanik, Geotechnik,
Ingenieurhydrologie und Ingenieurseismologie.