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Quelle: BMU

Dieselruß-Partikel unter dem
Rasterelektronenmikroskop
Foto: GSF
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Ausgangslage der Studien
In den Jahren 1985 bis 1994 wurde in mehreren Regionen von
Nordrhein-Westfalen der Gesundheitszustand von Frauen im Alter von 55
Jahren in Hinblick auf den Einfluss von Umweltbelastungen untersucht.
Für 4800 dieser Frauen wurden 2002 bis 2005 die Daten zur
Sterblichkeit, zu chronischen Atemwegserkrankungen und zur
Lungenfunktion analysiert. Diese Auswertungen erfolgten federführend
durch die Epidemiologen Prof. Dr. Dr. H.-Erich Wichmann und Dr.
Joachim Heinrich vom GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
und PD Dr. Ursula Krämer vom Institut für Umweltmedizinische Forschung
Düsseldorf. Die Studien wurde zu wesentlichen Teilen durch das
Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz des Landes NRW finanziert und durch das
Landesumweltamt NRW unterstützt.
1. Sterblichkeit
Große amerikanische Studien zeigen dass die Sterblichkeit von Personen
ansteigt, wenn sie über einen längeren Zeitraum gegenüber Feinstaub
exponiert sind. Aus Europa gibt es ferner Hinweise, dass das Wohnen in
der Nähe stark befahrener Straßen dieses Risiko besonders erhöht.
Diese Fragestellung wurde jetzt erstmals in Deutschland untersucht.
Methodik: Grundlage der Studie ist eine nordrhein-westfälische Kohorte
von ungefähr 4800 Frauen, die in den Jahren 1985 bis 1994 im Alter von
50 bis 59 Jahren an einer Basisuntersuchung teilgenommen haben. Mit
Genehmigung des zuständigen Datenschutzbeauftragten wurde ermittelt,
welche dieser Frauen mit welchen Todesursachen bis Ende 2002
verstorben waren. Die Exposition gegenüber Luftschadstoffen wurde zum
einen über Mittelwerte der Immissionskonzentrationen von PM10 und NO2
definiert, zum anderen über den Abstand der Wohnung von stark
befahrenen Strassen (mehr als 10.000 Fahrzeuge pro Tag). In den
statistischen Analysen wurde für Rauchen und Sozialstatus adjustiert.
Ergebnisse: Während der Beobachtungszeit sind 8 % der Frauen
verstorben, davon 3 % an kardiopulmonaren Todesursachen, also an
Erkrankungen des Herz-Kreislauf Systems oder der Atemwege. Es wurden
Assoziationen gefunden zwischen kardiopulmonaler Sterblichkeit und dem
Wohnen innerhalb eines 50 m Abstands von stark befahrenen Strassen.
Die Sterblichkeit war hier um 70 % erhöht. Bezogen auf die PM10
Jahresmittelwerte stieg die kardiopulmonale Sterblichkeit pro 7 µg / m3
um 34 % an. Für NO2 betrug der Anstieg 57 % bezogen auf 16
µg / m3. Alle Ergebnisse waren statistisch signifikant. Für
andere Todesursachen wurde kein Zusammenhang gefunden. Die
Jahresmittelwerte betrugen 44 µg / m³ für PM10 (Grenzwert 40 µg / m³)
und 48 µg / m³ für NO2 (Grenzwert ebenfalls 40 µg / m³).
Quelle: Ulrike Gehring, Joachim Heinrich, Ursula Krämer,Veit Grote,
Matthias Hochadel,Dorothea Sugiri, Martin Kraft, Knut Rauchfuss, Hans
Georg Eberwein, H.-Erich Wichmann: Long-term exposure to ambient air
pollution and cardiopulmonary mortality in women. Epidemiology, 2006
Sept 17(5): 545-51
2. Atemwegserkrankungen und Lungenfunktion
Auch zum Einfluss von Luftschadstoffen auf Atemwegserkrankungen und
die Lungenfunktion gibt es bisher in Deutschland nur Untersuchungen zu
Kurzzeiteinflüssen. Erstmals wurden jetzt Langzeiteinflüsse
untersucht.
Methodik: Grundlage der Studie ist dieselbe nordrhein-westfälische
Frauenkohorte, die Auswertung erfolgte in der gleichen Weise wie bei
der Sterblichkeit.
Ergebnisse: Die Häufigkeit (Prävalenz) chronisch obstruktiver
Atemwegserkrankungen (COPD) betrug 4,5 %. Die Atemwegserkrankungen und
die Einschränkung der Lungenfunktion waren am stärksten mit PM10 und
der Verkehrsbelastung assoziiert. Ein Anstieg des PM10 Mittelwertes um
7 µg / m³ war mit einem Anstieg der Prävalenz der COPD um 33 %
assoziiert und das Wohnen im 100 m Abstand von stark befahrenen
Strassen mit einem Anstieg um 79 %.
Quelle: Tamara Schikowski, Dorothea Sugiri, Ulrich Ranft, Ulrike
Gehring, Joachim Heinrich, H.-Erich Wichmann, Ursula Krämer: Long-term
air pollution exposure and living close to busy roads are associated
with COPD in women. Respiratory Research 2005, 6:152
Schlussfolgerung beider Studien
Wohnen an stark befahrenen und chronische Exposition gegenüber PM10
und NO2 stellen Risikofaktoren für das vermehrte Auftreten
von Erkrankungen der Atemwege und Einschränkungen der Lungenfunktion
dar. Darüber hinaus ist die Sterblichkeit an Erkrankungen des
Herz-Kreislauf Systems und der Atemwege bei den betroffenen Personen
erhöht.
Deklaration für die Notwendigkeit strengerer Europäischer
Regulationen für Luftschadstoffe
In einer gemeinsamen Erklärung haben Wissenschaftler der European
Respiratory Society (ERS), der International Society for Environmental
Epidemiology (ISEE) und der International Society for Exposure
Assessment (ISEA) ihre Besorgnis über gegenwärtige Bestrebungen zum
Ausdruck gebracht, die Grenzwerte für PM10 in der Europäischen Union
zu verwässern
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