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Ribosomen sind in allen Zellen für die Bildung der Proteine
verantwortlich. Sie setzen sich aus zwei Untereinheiten zusammen,
einer kleinen Untereinheit (30S), die für die mRNA-Erkennung und damit
für die Übersetzung des genetischen Codes verantwortlich ist, und
einer großen Untereinheit (50S), welche die Aminosäuren zu einer Kette
verknüpft. Die Bildung von Proteinen ist von vitaler Bedeutung für das
Überleben aller Organismen, es bestehen jedoch eine Reihe von
Unterschieden zwischen den Ribosomen von Bakterien, Pilzen, Pflanzen
und Tieren. Eine genaue Kenntnis des Ablaufs der Proteinsynthese sowie
der Struktur der jeweils beteiligten Elemente ist daher unerläßlich
für die Entwicklung wirksamer Antibiotika, die beispielsweise nur auf
bestimmte Zellarten wie Bakterien oder Pilze einwirken können, ohne
die befallenen Wirte (Pflanzen oder Tiere) zu schädigen.
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A: Überblick über
die Bindung des Kasugamycins (Ksg, rot) an die kleine
30S-Untereinheit des Ribosoms (grau) von T. thermophilus. Die mRNA
ist grün dargestellt, die Initiator-tRNA orange.
B:
Detaildarstellung der Überlappung des Kasugamycins mit der mRNA an
der Bindungsstelle des Ribosoms. Die nicht korrekt ans Ribosom
gebundene mRNA kann nicht mehr mit der tRNA wechselwirken. Dadurch
wird auch die Bindung der tRNA an die 30S-Untereinheit des
Ribosoms verhindert.
Abbildung: MPI für
molekulare Genetik |
Wissenschaftlern des Berliner Max-Planck-Instituts für molekulare
Genetik ist es jetzt in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe des
RIKEN Instituts in Japan gelungen, die Struktur der kleinen
30S-Untereinheit des Ribosoms des Bakteriums T. thermophilus
aufzuklären, an welche das Antibiotikum Kasugamycin gebunden ist
(Abbildung A). Die Forscher unter der Leitung von Dr. Paola Fucini
fanden heraus, dass jeweils zwei Kasugamycin-Moleküle an eine
funktionell wichtige Region der 30S-Untereinheit binden. Die Moleküle
blockieren dadurch die Bindungsstelle für die mRNA, so dass diese
nicht mehr richtig an das Ribosom gebunden werden kann (Abbildung B).
In der Folge wird auch die Wechselwirkung des Moleküls mit der mRNA
gestört, welches die Aminosäuren für die Zusammensetzung der Proteine
an das Ribosom herantransportiert ("Initiator-tRNA). Auch die
Initiator-tRNA kann somit nicht mehr an das Ribosom binden, die
Synthese von Proteinen wird dadurch vollständig verhindert.
Die Erkenntnisse der Wissenschaftler sind von großer Bedeutung
insbesondere für die Landwirtschaft. Kasugamycin kann die äußere
Zellmembran von Bakterien und Pilzen durchdringen, in die Zellen von
Pflanzen und Tieren gelangt es jedoch nicht. Es wird daher seit Jahren
zur Bekämpfung der sogenannten Blattbräune (Rice Blast Disease)
eingesetzt, einer Pilzerkrankung von Reispflanzen, die jedes Jahr zu
erheblichen Verlusten in der Landwirtschaft vor allem im asiatischen
Raum führt. Die jetzt veröffentlichte Struktur verdeutlicht die genaue
Interaktion des Kasugamycins mit der 30S-Untereinheit und erklärt,
warum bereits kleine Veränderungen (Mutationen) an der
30S-Untereinheit des Ribosoms eine Resistenz gegenüber dem
Antibiotikum bewirken können. Dies eröffnet den Weg für die
Entwicklung wirkungsvollerer Antibiotika, mit denen ein Teil der
steigenden mikrobiellen Resistenzen überwunden werden könnte.
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