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Zement ist als Bindemittel für Mörtel und Beton
schon lange im Einsatz. Der Begriff geht sogar auf die Römer zurück,
später wurde er für das Reaktionsprodukt aus Kalkstein und Ton
verwendet. Heute ist Zement (Portlandzement) ein großtechnisch
hergestelltes Industrieprodukt, das in seinen Hauptkomponenten aus
Calciumoxid, Siliciumdioxid, Aluminiumoxid und Eisenoxid besteht. Doch
für einige Anwendungen muss er chemisch weiter optimiert werden.
Mörtel und Betone beispielsweise, die auf Portlandzement basieren,
zeigen im Kontakt mit sauren Medien eine unzureichende chemische
Beständigkeit des Werkstoffgefüges. So sind etwa biogene
Schwefelsäurekorrosionen sehr häufig Ursache für erhebliche Schäden an
Abwasserleitungen und in Kläranlagen. In Berlin wird daher diskutiert,
inwiefern chemisch resistente Silikatmörtel, basierend auf
Natriumsilikat (Wasserglasbinder) und Aluminiumphosphat dieses Problem
lösen können.
In Portlandzementklinkern ist der Hauptbestandteil
Tricalciumsilicat, das das Festwerden des Zementsteins maßgeblich
beeinflusst. Mit dem Einbau von Fremdionen (Magnesium, Aluminium,
Eisen) möchte man auch diesen Vorgang technisch verbessern. Auch die
Verflüssigung von Zementleimen mit Polycarboxylaten möchte man besser
verstehen und optimieren. In Berlin werden Untersuchungen zum Einfluss
der Molekülstruktur von Polycarboxylaten auf diesen Vorgang
vorgestellt. Generell gewinnt der Einsatz von polymeren Fliessmitteln
in zementgebundenen Baustoffen immer mehr an Bedeutung. Solche
Fliessmittel beeinflussen die Verarbeitbarkeit wegen ihrer Auswirkung
auf die mikroskopische Gefügestruktur in flüssigen Zementpasten
positiv. Architektonisch-konstruktiv anspruchsvolle Bauten wie etwa
das "Phaeno" in Wolfsburg oder Betonobjekte mit extremer
Oberflächenperfektion wie die 2711 Stelen des Holocaust-Mahnmals von
Peter Eisenman in Berlin sind überhaupt nur unter Verwendung solcher
"Selbstverdichtender Betone" herstellbar. In dem BMBF-Teilprojekt
"Untersuchungen zum Abbinden zementärer Massen" sollen Messmethoden
zur Strukturuntersuchung und Verfolgung der Verfestigung entwickelt
werden; erste Ergebnisse daraus werden ebenfalls in Berlin
vorgestellt.
Nicht nur hierbei stehen analytische Methoden im
Vordergrund. Sie spielen generell bei Produkten und Rohstoffen für die
Bauchemie eine große Rolle. Dabei geht es vor allem um die
Identifikation und Prüfung der Zusammensetzung von Produkten und deren
Komponenten sowie um die Messung von flüchtigen organischen Substanzen
aus Produkten für den Baubereich, was von besonderer Bedeutung für die
Einhaltung geltender und kommender gesetzlicher Bestimmungen in Bezug
auf die Grenzwerte ist. Aber auch den anorganischen
Holzschutzmittelkomponenten in Gebrauchtholz wendet sich die Analytik
zu. Von Bedeutung sind diese Messungen für die energetische Verwertung
von Gebrauchtholz nach dem Bundes-Immissionsschutz-Gesetz oder dessen
stoffliche Verwertung durch die Spanplattenindustrie. In beiden Fällen
wird ein sicherer Ausschluss von mit Holzschutzmitteln behandelten
Hölzern gefordert.
Für besondere Verdienste um die Bauchemie verleiht
die GDCh-Fachgruppe Bauchemie die Hans-Kühl-Medaille, benannt nach dem
Pionier der Zementchemie Hans Kühl. In diesem Jahre wird diese
Auszeichnung an Professor Dr. Otto Hennig, Bauhaus-Universität Weimar,
und Professor Dr. Dietbert Knöfel, Universität/GH Siegen, für ihre
hervorragenden Leistungen in Forschung und Lehre auf dem Gebiet
Bauchemie vergeben. |