|
Der Göttinger Chemiker Prof. Dr. Lutz F. Tietze,
geschäftsführender Direktor des Instituts für Organische und
Biomolekulare Chemie an der Georg-August-Universität, wird für sein
wissenschaftliches Gesamtwerk mit der Emil-Fischer-Medaille geehrt.
Überreicht wird diese höchste Auszeichnung auf dem Gebiet der
Organischen Chemie in Deutschland während der 123. Versammlung der
Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, die vom 18. bis 21.
September 2004 an der Universität Passau stattfindet. Die Medaille
wurde von dem Industriechemiker Carl Duisberg im Oktober 1912 zum 60.
Geburtstag des Nobelpreisträgers Emil Fischer gestiftet. Seit 1949
wird diese Ehrung, die mit einer Goldmedaille und einem Geldpreis
verbunden ist, alle zwei bis drei Jahre von der Gesellschaft Deutscher
Chemiker (GDCh) vergeben. "Die Vergabe dieser Auszeichnung ist ein
Beleg für die außerordentliche Wertschätzung, die Lutz F. Tietze
sowohl im In- als auch im Ausland als einer der herausragenden
Wissenschaftler seiner Disziplin genießt", so der Dekan der Göttinger
Fakultät für Chemie, Prof. Dr. Götz Eckold.
Internationale Anerkennung hat sich Prof. Tietze
durch seine richtungsweisenden Untersuchungen im Bereich der Synthese
erworben. Durch die Einführung so genannter Dominio-Reaktionen ist es
dem Wissenschaftler gelungen, komplexe Moleküle in wenigen Stufen aus
einfachen Substraten in umweltgerechter, ressourcenschonender und
effizienter Weise zu synthetisieren. Auf diese Weise hat er zusammen
mit seinen Mitarbeitern zahlreiche Naturstoffe und andere biologisch
aktive Verbindungen hergestellt. Eine führende Stellung nimmt der
Göttinger Wissenschaftler mit seinen Arbeiten zur gezielten
Krebsbehandlung unter Verwendung von Antikörpern ein. Die ersten
Tierversuche mit der Antibody Directed Enzyme Prodrug Therapie
(ADEPT), die zusammen mit dem Zentrum für Onkologie an der Universität
Göttingen durchgeführt wurden, sind nach Angaben von Prof. Tietze
positiv verlaufen.
Lutz F. Tietze (Jahrgang 1942) studierte Chemie und
Volkswirtschaft in Kiel und Freiburg, wurde 1968 in Kiel promoviert
und habilitierte sich 1975 mit einem Stipendium der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Universität Münster. Nach einer
Professur in Dortmund wurde er 1978 an die Universität Göttingen
berufen. Mehrere Rufe an andere Hochschulen lehnte er zugunsten seiner
Tätigkeit in Göttingen ab. Auslandsaufenthalte und Gastprofessuren
führten ihn nach Großbritannien, in die USA, nach Italien, Australien
und Frankreich. Prof. Tietze hat über 350 Publikationen sowie zwei
wissenschaftliche Standardwerke vorgelegt, von denen eines in fünf
Sprachen übersetzt und mit dem Literaturpreis des Fonds der Chemischen
Industrie ausgezeichnet wurde. Außerdem ist er Inhaber von mehr als 20
Patenten. Der Wissenschaftler, der 1994 mit der Ehrendoktorwürde der
Universität Szeged (Ungarn) ausgezeichnet wurde, ist Sprecher des
Sonderforschungsbereichs "Chemische und biologische Synthese und
Transformation von Naturstoffen und Naturstoff-Analoga". Er gehört der
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen an, ist Präsident des
Deutschen Zentralausschusses für Chemie und Mitglied des
Gutachter-Kollegiums der DFG. |