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Bernhard Keppler, Chemiker und Arzt
Foto: Universität Wien
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"Die Entwicklung von neuen, Krebs hemmenden
Substanzen ist die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen",
beschreibt O. Univ.-Prof. DDr. Bernhard Keppler seine Aufgabe. Er
selbst hat zusammen mit seiner Arbeitsgruppe in den letzten 20 Jahren
etwa 100 verschiedene synthetische Verbindungen pro Jahr hergestellt
und sie aufgrund von Arbeitshypothesen auf ihre Wirksamkeit überprüft.
Im Moment sind zwei seiner Entwicklungen in der Phase I der klinischen
Studien, das heißt sie durchlaufen den so genannten "proof of
principle" direkt am kranken Menschen. Dieses Krebsforschungsprojekt
wird gemeinsam mit Forschern des Instituts für Krebsforschung
(Univ.-Prof. Dr. Walter Berger, Univ.-Prof. Dr. Michael Micksche) und
der Klinischen Abteilung für Onkologie (Univ.-Prof. Dr. Christoph
Zielinski) an der Medizinischen Universität Wien betrieben und von der
Forschungsförderungsgesellschaft mit einem drei Millionen-Euro-Projekt
unterstützt.
Erste Tests am Patienten
In ersten, schon abgeschlossenen klinischen Studien erzielten Keppler
und seine KollegInnen zusammen mit der beteiligten Firma Faustus AG
Wien mit ihrem "Trojanischen Pferd" erfreuliche Ergebnisse. "Die
Verträglichkeit ist gut und es gibt nur wenige Nebenwirkungen, auch
weil der Einsatz der Wirkstoffe zielorientiert an der kranken Zelle
erfolgt, während gesundes Gewebe unversehrt bleibt. Bei einigen
PatientInnen konnte eine Stabilisierung des Tumorwachstums und damit
des Krankheitsverlaufs erreicht werden", erklärt der Chemiker und
Arzt.
Doch nicht nur das Eisentransportprotein Transferrin, das versteckt
Anti-Krebs-Wirkstoffe in Tumorzellen transportiert, steht im
Mittelpunkt der Forschungstätigkeit von Bernhard Keppler. Der zweite
Wirkstoff, der ebenfalls bereits im Krankenhaus bei PatientInnen
erprobt wird, zeigt erste Anzeichen von Wirksamkeit am
Nierenzellkarzinom. Er inhibiert einen Prozess, bei dem - vereinfacht
ausgedrückt - RNA in DNA umgewandelt wird, sodass die Erbinformation
des Tumors verändert werden kann.
Problem: Resistenzen
Daneben gibt es eine Reihe von präklinischen Projekten, bei denen am
Institut Versuche an menschlichen Tumorzellen gemacht werden. Bei
diesen Forschungsarbeiten steht das Resistenzproblem im Mittelpunkt.
"Das Problem bei jeder Chemotherapie besteht darin, dass die
Krebszellen allmählich lernen, sich gegen das Therapeutikum zu wehren.
Wenn der Tumor aber gegen den Wirkstoff resistent wird, kann er
ungehindert weiter wachsen", beschreibt Bernhard Keppler das Dilemma.
Deswegen ist er jenen Verbindungen auf der Spur, die Tumorzellen, die
im Lauf der Behandlung schon resistent geworden sind, wieder sensibel
machen können. Bisher funktioniert diese Strategie nur in der
Zellkultur, und auch der genaue Wirkmechanismus ist noch weit gehend
unbekannt. "Wenn wir soweit kommen, dass diese Methode auch beim
Menschen eingesetzt werden kann, wäre das ein großer Fortschritt für
die Behandlung von Krebs", meint Keppler.
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