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Christian Bogdal hat den Giftstoffen mit ihren zumeist
unbekannten Auswirkungen den Kampf angesagt; diesen Kampf
symbolisiert das Wikingerschiff mit dem Dioxinmolekül.

Christian Bogdal nimmt Wasserproben im Thunersee.
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Viele Chemikalien haben einen gravierenden
Nachteil: Sie sind hochtoxisch - was bei ihrer Entwicklung nicht immer
klar ist. Waren es um 1930 so genannte polychlorierte Naphthaline
(PCN), die schon kurze Zeit später aufgrund ihrer Toxizität wieder von
der Bildfläche verschwanden, kamen wenig später die polychlorierten
Biphenyle (PCB) auf. Die hielten sich zwar länger; 1986 wurden sie
dann aber in der Schweiz verboten und 2004 in der Stockholmer
Konvention dem "dreckigen Dutzend" - einer Gruppe hochtoxischer,
hormonaktiver Chemikalien - zugerechnet und weltweit geächtet.
Trotzdem befinden sich noch hunderttausende Tonnen davon in alten
Transformatoren und anderen Geräten.
Beide gehören zu den schwer abbaubaren organischen Umweltchemikalien,
den "Persistent Organic Pollutants" (POP). PCB etwa steht im Verdacht,
die Fortpflanzung des Fischotters zu beeinträchtigen und damit in der
Schweiz zu seinem Aussterben beigetragen zu haben. Neu zur Familie der
POPs hinzugezählt werden auch bromierte Flammschutzmittel, die in
ihrer chemischen Struktur und ihren Eigenschaften den PCBs ähneln.
Welche Konsequenzen eine Anreicherung der Flammschutzmittel in
verschiedenen Ökosystemen mit sich bringt, ist heute allerdings noch
weitgehend unklar.
Gifte mit Langzeitwirkung
In seiner Doktorarbeit analysiert Christian Bogdal an der Empa seit
Mai 2005 die Belastung des Thunersees mit Flammschutzmitteln und
anderen organischen Stoffen. Der Umweltwissenschaftler von der ETH
Lausanne wurde durch eine Ausschreibung auf das Empa-Projekt
aufmerksam: "Ich entschied mich dafür, weil mich das Zusammenspiel von
Umwelt und Chemie interessierte." Den Auslöser für die Untersuchung
des Thunersees bildete eine weit verbreitete Missbildung an den
Geschlechtsorganen der dortigen Felchen. Das Aufspüren von
Chemikalien, die für die Missbildungen verantwortlich sein könnten,
ist denn auch eines der Ziele von Bogdal. Daher analysiert er in der
Abteilung "Analytische Chemie" an der Empa in Zusammenarbeit mit der
Eawag, der ETH Zürich, der Armasuisse und dem Kanton Bern Sedimente
vom Seegrund, verschiedene Wasserschichten, Zu- und Abflüsse, Proben
der Atmosphäre, Ablagerungen an der Wasseroberfläche, Plankton und
Fische. Aufgrund der Ergebnisse wird er zusammen mit Kollegen aus der
Gruppe Sicherheit und Umweltschutz in der Chemie der ETH Zürich im
Frühling 2007 damit beginnen, die Stoffflüsse anhand eines Modells
darzustellen. Dies soll zu einem besseren Verständnis darüber führen,
wie Chemikalien in das Ökosystem gelangen, wie lange sie im globalen
Stoffkreislauf bleiben und wo sie sich ablagern.
Erste Resultate beruhigen nur teilweise und zeigen klaren
Handlungsbedarf auf. "Die PCB-Belastung im Sediment des Thunersees
über den gesamten untersuchten Zeitraum, also von 1900 bis heute, ist
sehr gering und insgesamt stark rückläufig", so Bogdal. Bedenklicher
sei dagegen die dramatische Zunahme von bromierten Flammschutzmitteln
- "bis jetzt allerdings ohne sichtbare Auswirkungen", wie Bogdal
erklärt. Die heute vorkommenden Werte würden von den meisten
Fachleuten noch nicht als bedrohlich angesehen. "Problematisch sind
aber vor allem mögliche Langzeitwirkungen dieser Stoffe", zeigt sich
Bogdal besorgt. Es sei zudem nicht auszuschliessen, dass die
Missbildungen der Thunersee-Felchen durch derartige Chemikalien
verursacht worden seien.
Kein PCN aus versenkter Armeemunition
Tief war auch die PCN-Konzentration, wie Bogdals Messungen ergaben.
Das Umweltgift fand unter anderem in Nebelmunition der Schweizer Armee
Verwendung. Da die Armee zwischen 1940 und 1963 rund 4600 Tonnen
Munition im Thunersee "entsorgte", lag die Vermutung nahe, dass sich
darunter auch Nebelmunition befunden hatte. Die tiefen PCN-Messwerte,
die Bogdal ermittelte, stützen diese Annahme nicht weiter. Welche
katastrophalen Folgen der Austritt von PCN und ähnlichen Stoffen aus
Nebelmunition in die Umwelt haben kann, beschreibt ein lange Zeit
unter Verschluss gehaltenes Dokument der Armee: Die in
Vernebelungsübungen während des Zweiten Weltkriegs eingesetzte
Munition führte zur Zwangsschlachtung von 15000 Rindern aufgrund
schwerer Vergiftungserscheinungen.
Das Projekt, welches von der Empa und vom Nationalfonds unterstützt
wird, läuft noch rund eineinhalb Jahre. Trotzdem präsentierte
Christian Bogdal schon jetzt seine ersten Ergebnisse an der
Dioxinkonferenz in Oslo, der weltweit wichtigsten Konferenz auf dem
Gebiet der POPs. Dafür wurde er mit dem begehrten "Otto Hutzinger
Student Presentation Award" ausgezeichnet. Christian Bogdal ist stolz
darauf: "Ich freue mich über diese Anerkennung, die meine Arbeit bei
den Fachleuten gefunden hat." Überreicht wurde der Preis von Heidelore
Fiedler vom UN-Umweltprogramm (UNEP). Der aus Glas gefertigte Bug
eines Wikingerschiffes zieht darauf symbolisch in den Kampf gegen
Dioxin als Innbegriff für Umweltschadstoffe.
Dass bald etwas unternommen werden sollte gegen die bromierten
Flammschutzmittel und andere hormonwirksame Umweltgifte, liegt für
Bogdal nahe. Denn die Folgen für den Menschen sind heute noch
weitgehend unbekannt und die Verbreitung in der Umwelt ist aufgrund
des langsamen Abbaus bereits so weitläufig, dass selbst in Robben und
Eisbären am Nordpol POPs gefunden wurden. Durch die Anreicherung in
der Nahrungskette haben es POPs heute sogar vielerorts bis in die
Muttermilch geschafft, unter anderem auch in der Schweiz.
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