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Es war kein eigenes Forschungsprojekt und sie hat
auch nicht gezielt danach gesucht. Durch Intuition kam Martina Kühn
auf den zündenden Gedanken, der ihr bereits im vergangenen Jahr den
ersten Platz beim Campus-Ideen-Wettbewerb einbrachte. Seit Jahren
befasst sich die Chemisch-Technische Assistentin im Ceramics-Labor mit
Sol-Gel-Verfahren, eine der heute üblichen Herstellungsmethoden für
Keramik. Dabei werden - ganz nach dem 'Prinzip Wackelpudding' -
Flüssigkeit und Pulver miteinander zu einem so genannten Sol vermischt
und ergeben nach dem Kochen einen Gel. Üblicherweise wird Mullit durch
Vermengen von Aluminiumoxidpulver mit Siliciumoxidpulver und
anschließendem Sintern bei mindestens 1.650 Grad Celsius hergestellt.
Das Sintern ist vergleichbar mit dem Brennen von Ton. Es entsteht ein
großer, fester Klumpen Mullit, der dann in einem Mahlvorgang
pulverisiert werden muss. Konventionelle Sol-Gel-Verfahren nutzen
verschiedene chemische Ausgangssubstanzen und erreichen nach mehreren
Reaktionsschritten die Auskristallisation von Mullit.
Martina Kühn setzt auf ein Sol-Gel-Verfahren mit
Wasser und einem unbedenklichen Zusatz statt umweltschädlicher
Chemikalien sowie auf ein anschließendes Gefriergranulieren: Das Sol
wird durch feine Düsen in einen kalten Raum gesprüht, wo die Tröpfchen
dann sofort gefrieren. Bei dem anschließenden Sintern genügt eine
Temperatur von nur 1.100 Grad Celsius. Dabei entsteht direkt ein
hochfeines, sehr reines Mullit-Pulver. Ein Mahlvorgang ist also nicht
mehr erforderlich. "So sparen wir Energie und schonen die Umwelt",
sagt Kühn. "Außerdem wird das Verfahren vereinfacht und die Qualität
des Produktes ist besser." Was in ihren Laborversuchen bislang
erfolgreich lief, soll nun in die industrielle Praxis umgesetzt
werden. Daher hat sich die innoWi GmbH dieser Entwicklung angenommen.
Dort betreut Angela Stemmler das Projekt.
Die Diplom-Biologin hat nach ihren
erfolgversprechenden Recherchen zu Neuheit und Markt die Anmeldung zum
Patent vorbereitet und begleitet. Nun sucht Stemmler nach
Realisierungspartnern in der Industrie. Sie ist von dem Erfolg des
Vorhabens überzeugt: "Es bietet gegenüber den herkömmlichen
Herstellungsmethoden nur Vorteile", sagt sie und sieht große Chancen
für die Entwicklung. In zwei bis drei Jahren könne das Verfahren zur
Marktreife gebracht werden, ist sie sich sicher. "Die beste Idee
bringt nichts, wenn sie nicht auch umgesetzt wird", unterstützt
Ceramics-Leiter Prof. Dr.-Ing. Georg Grathwohl das Vorhaben.
Eigentlich sei die Idee zur Mullit-Pulver-Herstellung durch
Gefriergranulieren eher eine Art Abfallprodukt, das während der
wissenschaftlichen Arbeit in den Laboren nebenher entstanden ist. Er
freut sich über den Erfolg seines Teams. Schon etliche
Patentanmeldungen gehen auf das Konto der kreativen Arbeitsgruppe.
"Vieles ist möglich", sagt er und bedauert: "Leider können wir nicht
alles umsetzen." Freuen würde er sich daher über eine
Entwicklungskooperation mit einem Wirtschaftsunternehmen. |