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Die Zunahme der Auswirkungen globaler Veränderungen
auf Vorkommen und Stärke von extremen Naturereignissen einerseits und
die steigende Katastrophenanfälligkeit der Menschheit andererseits
haben in den vergangenen Monaten die Völkergemeinschaft wiederholt
aufgeschreckt. Die Auswirkungen extremer natürlicher Erscheinungen wie
Erdbeben, Tsunamis, tropische Wirbelstürme, Fluten und Waldbrände
haben die Vereinten Nationen aber bereits seit Jahren zum Handeln
veranlasst. Hierbei ist die Katastrophenvorsorge ein zentrales
Anliegen einer Reihe von UN-Einrichtungen und Programmen. Sie werden
durch Forschung und Ausbildung der Universität der Vereinten Nationen
(United Nations University, UNU) unterstützt. Wie der Rektor der UNU,
Professor Hans van Ginkel, am vergangenen Freitag in Bonn betonte, sei
die Erforschung von naturwissenschaftlichen Grundlagen der globalen
Veränderungsprozesse ebenso notwendig wie die Einbeziehung von Sozial-
und Politikwissenschaften und die Einleitung des erforderlichen
Kulturwandels. Denn die erhöhte Katastrophenanfälligkeit der
Menschheit, so der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan,
im UN-Jahresbericht vom 31. August 1999 "From Reaction to Prevention",
sei nicht in erster Linie durch die Stärke extremer Naturereignisse
selbst bedingt, als vielmehr eine Folge des Mangels an Maßnahmen der
Katastrophenvorsorge. Damit seien die meisten Katastrophen durch den
Menschen selbst bedingt und der Begriff "Naturkatastrophe" häufig
irreführend. Die Auswirkungen des Erdbebens in Südasien und der
Wirbelstürme in den vergangenen Tagen in Mittelamerika und dem Süden
der USA haben allzu deutlich aufgezeigt, dass fahrlässiges Unterlassen
von Vorsorgemaßnahmen, wie beispielsweise sicheres Bauen, die
wesentliche Ursache für hohe Schäden und vor allem Opfern unter den
Menschen sei.
Die Unterstützung der Arbeit der Vereinten Nationen bedarf aktiver
Beiträge der Mitgliedsländer. Als einen Beitrag hierzu - nicht zuletzt
als Folge der oben zitierten Feststellung des Generalsekretärs - wurde
die Einrichtung des UNU-Instituts für Umwelt und menschliche
Sicherheit (UNU Institute for Environment and Human Security, UNU-EHS)
beschlossen und von der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. Im
Dezember 2003 nahm UNU-EHS seine Arbeit in Bonn auf. Eng verbunden mit
diesem Institut ist das Freiburger Zentrum für Globale
Feuerüberwachung (Global Fire Monitoring Center, GFMC), das im Auftrag
der Vereinten Nationen und finanziert durch die
Max-Planck-Gesellschaft und das Auswärtige Amt einen wichtigen Beitrag
zur Überwachung von Waldbränden und der Reduzierung ihrer Auswirkungen
auf die globale Umwelt leistet. Seit 1998 ist das GFMC als Beitrag
Deutschlands für die UN-Strategie zur Reduzierung von Katastrophen (UN
International Strategy for Disaster Reduction) in der Außenstelle des
Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie an der Universität Freiburg
eingerichtet. Mit der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen UNU und
der Max-Planck-Gesellschaft, vertreten durch das Mainzer
Max-Planck-Institut für Chemie, wurde am vergangenen Freitag in Bonn
die Zusammenarbeit beider Institutionen vereinbart. Damit wird die
Freiburger Einrichtung den Status eines assoziierten Instituts der
Universität der Vereinten Nationen einnehmen.
Das GFMC wird an einer Schnittstelle mehrerer
Institutionen arbeiten. Wie der Direktor der Abteilung Biogeochemie
des Max-Planck-Instituts für Chemie, Professor Meinrat O. Andreae,
anlässlich der Unterzeichnung des Vertrags in Bonn mitteilte, seien
erhebliche Forschungsbedarfe zur Klärung der Auswirkungen von
Vegetationsvernichtung durch Feuer vorhanden. Deutschland sei
aufgefordert, nach Beschaffung des neuen Forschungsflugzeugs HALO
(High Altitude Long Range Research Aircraft), das u.a. das
Zusammenspiel von Emissionen aus Landnutzungsänderung und
Vegetationszerstörung auf die globale Atmosphäre untersuchen wird,
dessen Betrieb einschließlich der begleitenden Forschungsprogramme
sicherzustellen.
In Freiburg äußert sich der Leiter des Global Fire
Monitoring Center, Professor Johann G. Goldammer, zuversichtlich über
die Effizienz der beschlossenen Partnerschaft: "Die Universität
Freiburg bietet beste Voraussetzungen für eine partnerschaftliche
Arbeit mit der Max-Planck-Gesellschaft und den Vereinten Nationen. So
hat die Universität Freiburg bereits seit Jahren den Aufbau der Arbeit
des GFMC gefördert und jüngst durch Erweiterung der Infrastruktur für
Forschung und internationale Ausbildungsprogramme gefördert". In naher
Zukunft wird die Universität Freiburg konsequent den Aufbau ihres
internationalen Engagements in der Partnerschaft vor allem mit Ländern
aus der Dritten Welt fortführen. Die Fakultät für Forst- und
Umweltwissenschaften der Universität Freiburg, so der
Forstwissenschaftler und Prorektor der Universität, Professor
Karl-Reinhard Volz, habe hierzu wegweisende Schritte in
interdisziplinärer und partnerschaftlicher Forschung und Ausbildung
ergriffen.
Goldammer unterstreicht, dass die Zielsetzung der
Zusammenarbeit zwischen der Max-Planck-Gesellschaft und der
Universität Freiburg einerseits und der UNU andererseits, das Mandat
der UNU als einen Wegweiser sehen müsse: "Ich sehe dabei vor allem den
Beitrag interdisziplinärer Forschung zwischen naturwissenschaftlichen
und humanwissenschaftlichen Disziplinen als eine Chance, die
hochgesteckten Ziele der Vereinten Nationen - die Reduzierung von
Katastrophenanfälligkeit, Armut und vor allem Frieden und Sicherheit -
durchzusetzen. Der Schutz der Wälder und anderer Vegetationsressourcen
der Erde vor Zerstörung durch Feuer spielt eine zentrale Rolle für die
Erhaltung des Lebensraums der Menschheit. Darüber hinaus muss der in
den Wäldern gespeicherte Kohlenstoff erhalten werden, um den
anthropogenen Treibhauseffekt nicht weiter zu erhöhen. Die immer noch
praktizierte Brandrodung in den Tropen und ausgedehnten Flächenbrände
in der Nordhemisphäre - vor allem in Sibirien und auch in Südeuropa -
sind besorgniserregend. Neben der Freisetzung großer Mengen an
Treibhausgasen und gesundheits- und klimagefährdender Rauchpartikel
sind die sekundären Folgen der Brände besonders gravierend. Der
Verlust von Bodenfruchtbarkeit und Bodenschutz führt zur Erosion,
Versteppung, Erdrutschungen und Überflutungen. Da die Brandrodung und
die meisten Flächenfeuer durch den Menschen verursacht werden, sind
Maßnahmen der Prävention zwingend und auch erfolgversprechend. Bei der
Erarbeitung nachhaltiger und sicherer Konzepte der Landnutzung ist ein
Zusammenwirken gesellschaftswissenschaftlicher und
naturwissenschaftlicher Ansätze erforderlich." |