|
Pflanzen durch Verbesserung der Schwefelversorgung gesund erhalten und
so den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln einzuschränken,
wenn nicht sogar zu vermeiden: für dieses Konzept prägten heute am
FAL-Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde arbeitende
Wissenschaftler/innen 1995 in der internationalen Literatur den
Begriff der "Schwefel Induzierten Resistenz (SIR)".
Seitdem konnte SIR in sieben Wirt/Pathogen-Beziehungen nachgewiesen
und die potenzielle Befallsminderung unter Feldbedingungen auf 17 - 35
% abgeschätzt werden. In der Praxis gelingt es jedoch nicht immer, SIR
durch Düngung gezielt auszulösen. Ursachen hierfür sind die Vielzahl
der Wachstums- und Umweltfaktoren, die in das Befallsgeschehen
involviert sind, aber auch die Kompatibilität physiologischer
Mechanismen in Wirt und Pathogen sowie deren zeitliche Koinzidenz. Wie
bei neuen Forschungsgebieten üblich steigt die Zahl der offenen Fragen
rascher als die der gelösten: großen Forschungsbedarf sehen die
Wissenschaftler/innen immer noch bei den Kontrollmechanismen des
Schwefelstoffwechsels, hier insbesondere der beteiligten Enzyme und
metallischen Ko-faktoren. Als besonderen Schwerpunkt zum besseren
Verständnis des Schwefelmetabolismus in Pflanzen identifizierten die
Forscher/innen, neben der Erforschung des Genoms (Gesamtheit der
Erbinformation einer Pflanze), dessen Zuordnung zum Metabolom
(Gesamtheit pflanzlicher Inhaltsstoffe) und zum Transkriptom
(Aktivitätsmuster von Genen). Eine gewaltige Forschungsaufgabe, die
nur durch intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen
Physiologen und Molekularbiologen Aussicht auf Erfolg verspricht.
Computersimulation macht auch vor der Forschung in Pflanzenernährung
und -physiologie keinen Halt. Hierzu gehört insbesondere auch die
Beschreibung der Schwefelversorgung aus dem Boden, wozu Rogerio
Cichota mit HYSUMO die Ergebnisse einer
Deutsch/Brasilianisch/Neuseeländischen Forschergruppe vorstellte. Mit
diesem Programm kann allein auf Grundlage von Boden- und
Klimainformationen die Schwefelversorgung von Pflanzen präzise
vorhergesagt werden. Den bisherigen Höhepunkt auf diesem Gebiet
präsentierte jedoch Dr. Rodrigo Gutierrez vom Institut für Genetik und
Molekularbiologie der Katholischen Universität in Chile, derzeit
Mitarbeiter des Institutes für Biologie der Universität in New York,
mit dem Modellierungsprogramm "Virtual Plant", das völlig ohne lebende
Pflanzen und empirische Arbeit in Labor und Feld auskommt und eine
bildliche Vorstellung der Interaktionen verschiedener
Stoffwechselwege, wie z. B. der von Schwefel, Stickstoff und
Kohlenstoff ermöglicht.
Auf der "Schwefelhochzeit" wurde aber auch ein Generationenwechsel an
der Spitze der Schwefelforschung vollzogen: Dr. Ineke Stulen von der
Universität in Groningen verabschiedete sich aus dem aktiven
Berufsleben als Hochschullehrerin. Als Autorin zahlreicher
wegweisender Publikationen und Mitorganisatorin sämtlicher
"Schwefelkonferenzen" der vergangenen 20 Jahre ist sie Teil des
akademischen "Rückgrats" der internationalen Schwefelforschung.
|