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Das Verfahren dient dem Nachweis von chromosomalen
Rearrangements und Genmutationen als Indikatoren für Genotoxizität in
menschlichen Zellen. Bisher war ein sicherer Nachweis dieser Wirkung
nur im Tierversuch möglich, eine Folge des Umstands, daß zahlreiche
beim Menschen genotoxisch wirkende Substanzen durch die verfügbaren
In-vitro-Verfahren wie zum Beispiel den klassischen Ames Assay nicht
erfaßt werden. Der von Wiesmüller entwickelte Test erweitert nun das
Detektions-Spektrum an genotoxischen Schadstoffen durch Registrierung
von rekonstituierenden, deletierenden und mutierenden genetischen
Veränderungen und durch Berücksichtigung der physiologischen
Besonderheiten von Säugerzellen. Der Nachweis basiert auf der
Quantifizierung von zellulären Fluoreszenz-Signalen, zeichnet sich
durch eine kurze Reaktionszeit aus und erfüllt die Voraussetzungen für
die Automatisierung.
Die schwedische EU-Umweltkommissarin Margot
Wallström fordert in Hinsicht auf die zukünftige
EU-Chemikalien-Richtlinie, daß die marktgängigen mehr als 100.000
chemischen Substanzen auf ihre Schädlichkeit überprüft werden müssen.
Die Behörden der EU-Mitgliedstaaten haben im Jahr 2001 Leitlinien für
drei In-vitro-Toxizitätstests angenommen. Das Europäische Zentrum zur
Validierung alternativer Methoden zu Tierversuchen hat zwei
tierversuchsfreie Tests zugelassen, den Lymphknoten-Assay für
Hautsensibilisierung und den EpiDerm-Hautkorrosivtest. Im November
2002 erzielte der Rat der Europäischen Kommission Übereinstimmung in
Hinsicht auf das Verbot von Tierversuchen für Kosmetikprodukte. Die
Beispiele zeigen, daß ein zunehmender Bedarf an tierversuchsfreien
Methoden zur Toxizitätsbestimmung von chemischen Substanzen besteht.
Das von Prof. Wiesmüller entwickelte und von der
DFG für preiswürdig befundene Verfahren wird dazu beitragen, die Zahl
der Tierversuche bei Kanzerogenitätsprüfungen deutlich zu reduzieren.
Es ist geeignet, multiple kanzerogene Genom-Veränderungen zu erkennen
und bietet die Grundlage für die Identifikation eines breiten
Spektrums von Kanzerogenen. Die Möglichkeit der Wirkstoff-Analyse in
menschlichen Zellen aus unterschiedlichen Geweben erlaubt es,
zelluläre DNA-Schadens-Antworten bis hin zur Induktion der Apoptose
bei der Entstehung von Genom-Schäden zu berücksichtigen. Einen
besonders interessanten Aspekt stellt die Übertragung des Systems auf
genetisch modifizierte Säugerzellen dar, in denen
Stoffwechsel-Kompetenzen der menschlichen Leber imitiert wurden. Prof.
Wiesmüllers Ziel besteht darin, das sehr leicht handhabbare Verfahren
weiter zu optimieren. Für die Erforschung von Alternativmethoden zum
Tierversuch wurde sie bereits 2002 mit dem Preis der Fondation
Internationale pour la Substitution de l'Expérimentation Animale (FISEA)
ausgezeichnet. |