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Eine Forschergruppe vom Kieler Leibniz-Institut für
Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) hat Ozean-Tiefendrifter erstmals mit
modernen Sauerstoffsensoren ausgestattet und im September 2003 in der
Labradorsee ausgesetzt. In der aktuellen Ausgabe der Science* stellen
Professor Arne Körtzinger und seine Kollegen erste Ergebnisse vor, die
zeigen, dass auch der Ozean "atmet". Während des Winters nimmt der
Ozean in der beobachteten Region enorme Mengen von Sauerstoff auf. Wie
eine Lunge scheint die Labradorsee große Teile der atlantischen
Tiefsee mit Sauerstoff zu versorgen. Die Messungen zeigen außerdem,
dass der eingeatmete Sauerstoff durch die Meeresströmungen schnell im
ganzen Ozean verteilt wird. Für die Klimaforschung könnte der Atem des
Meeres folgenschwere Auswirkungen haben, denn der ozeanische
Sauerstoffgehalt hängt eng mit dem Gehalt an Sauerstoff in der
Atmosphäre zusammen.
Die Sauerstoffkonzentration in der Atmosphäre hat
in den letzten 100 Jahren stetig abgenommen. Der Grund dafür ist der
gleiche wie der für den kritischen Anstieg des Kohlendioxids: die
Verbrennung von Öl, Gas und Kohle. Doch während der Treibhauseffekt
als Ursache für die globale Erderwärmung immer wieder neue
besorgniserregende Schlagzeilen bringt, droht uns bezüglich des
Sauerstoffs noch lange keine Erstickungsgefahr. Die Abnahme des
atmosphärischen Sauerstoffs könnte sogar nützlich sein. Denn sie lässt
sich relativ einfach messen und vor allem lässt sich mit ihrer Hilfe
gut abschätzen, wie viel Kohlendioxid in den Ozeanen gelöst und wie
viel von Pflanzen und Bäumen an Land aufgenommen wird. Diese Schätzung
funktioniert allerdings nur solange der Sauerstoffgehalt der Ozeane -
wie bisher allgemein angenommen - konstant ist.
Aktuelle Modellrechnungen prophezeien jedoch eine
Abnahme der Sauerstoffkonzentration durch Veränderungen der
Meeresströmungen in der Tiefsee. Der Klimawandel könnte solche
Veränderungen bewirken und damit die Prozesse verlangsamen, durch die
der Sauerstoff in die Tiefen der Ozeane befördert wird. Bestätigen
könnte das nur eine kontinuierliche Beobachtung des Sauerstoffgehalts,
doch die war bisher nicht möglich. Die Ozeane sind riesig und der
traditionelle Weg, Sauerstoffkonzentrationen zu messen, erforderte
teure Forschungsexpeditionen. Die Methode der Kieler Meeresforscher
zeigt eine günstigere und einfachere Alternative und würde gut in ein
bereits laufendes internationales Forschungsprojekt passen. Das
Projekt setzt weltweit tausende Tiefendrifter ein, die den
Temperaturanstieg der Weltmeere beobachten sollen. Mit entsprechenden
Sensoren ausgerüstet, könnten sie auch die Sauerstoffkonzentration
messen.
Die von Professor Körtzinger und seinen Kollegen
beobachteten ozeanischen Atemzüge deuten auf Sauerstoff als einen der
Schlüsselparameter für die zukünftige Meeres- und Klimaforschung hin.
Doch bisher sind erst circa zwölf Tiefendrifter mit der neuen
Technologie im Einsatz, weitere Tests und vor allem flächendeckende
Beobachtungen sind notwendig. Die in der Science veröffentlichten
Ergebnisse sollen die internationale Fachwelt ermutigen, die neuen
Messgeräte möglichst zahlreich zum Einsatz zu bringen. |