|

Nur mit dem Mikroskop zu erkennen: 24.000-fach vergrößerte
Abbildung der Silberspitze.
Foto: ISAS
|
Mit Raman-Spektrometern lässt sich die
chemische Zusammensetzung der unterschiedlichsten Materialien
analysieren: Laserlicht wird auf Medikamente, Kristalle oder auch
Sprengstoff gestrahlt und hinterher wieder "eingefangen". Da
verschiedene Moleküle das Licht unterschiedlich streuen, lässt sich
anhand der gemessenen Spektren sagen, ob zum Beispiel ein bestimmter
Wirkstoff in einer Tablette enthalten ist oder nicht. In der Medizin
und Biologie ist diese Methode bereits seit langem bekannt, ebenso in
der Umwelttechnik und Mineralogie. Klassisch funktioniert sie jedoch
nur bei relativ großen Objekten und ohne die Möglichkeit zur genauen
Lokalisierung der einzelnen Moleküle. Gleich beide Einschränkungen hat
Deckert mit seiner Kombination aus Spektrometer, Rasterkraft-Mikroskop
und Silberspitze überwunden; auch bei mikroskopisch kleinsten Proben
kann er sowohl das "Was" als auch das "Wo" bestimmen. "Das eigentlich
Neue ist die Silberspitze, sie verstärkt und konzentriert das
Lichtsignal und erlaubt damit eine viel höhere Auflösung", erläutert
Deckert. Wie die Nadel eines Plattenspielers fährt die winzige Spitze
über Zellen und Proteine, analysiert und lokalisiert dabei mit Hilfe
von Spektrometer und Mikroskop gleichzeitig. "Die TERS erlaubt
Untersuchungen im Nano-Bereich, die mit normalen Lichtmikroskopen
nicht machbar sind," so Deckert, "interessant ist das zum Beispiel für
die Zellbiologie oder Halbleitertechnik."
Mit dem Bunsen-Kirchhoff-Preis wird Deckert für die Entwicklung der
TERS ausgezeichnet, im Moment forscht er jedoch schon an einer
möglichen Anwendung: der DNA-Analyse. Ist der Dortmunder
Wissenschaftler erfolgreich, lässt sich der genetische Code in Zukunft
möglicherweise ganz direkt, ohne die bisher notwendigen und
zeitraubenden Vorarbeiten, nach dem "Plattenspieler-Prinzip" auslesen.
Der DASp - Deutscher Arbeitskreis für Angewandte Spektroskopie vergibt
seit 1990 den "Bunsen-Kirchhoff-Preis für analytische Spektrokopie",
um herausragende spektroskopische Leistungen vor allem jüngerer
Wissenschaftler aus Universitäten, Forschungsinstitutionen oder der
Industrie im In- und Ausland auszuzeichnen. Der Preis wird durch 2500
Euro von der Firma Perkin-Elmer unterstützt. Die offizielle
Preisverleihung: 26. April 2006.
|