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Forscher schätzen, dass die Vorräte an
Methanhydraten fast doppelt so viel Energie wie alle Erdöl-, Erdgas-
und Kohlelagerstätten der Erde zusammen liefern können. Prof. Dr.
Klaus Wallmann, Koordinator des Netzwerkes: "Angesichts der aktuellen
Debatte um die Energieversorgung der Zukunft ist es wichtig, den
Entstehungsprozess sowie die ökologischen, ökonomischen und
rechtlichen Aspekte dieser Ressource bereits heute intensiv zu
erforschen." Das Kieler Forschernetzwerk "Ozean der Zukunft" widmet
sich daher fachbereichsübergreifend dieser Thematik. Ob Ozeanographen,
Biologen, Geologen, Meteorologen, Ökonomen und Juristen oder Chemiker
- zahlreiche Experten rund um die Kieler Universität erforschen
Chancen und Risiken, die eine Nutzung des "weißen Goldes" mit sich
bringen könnte.
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Brennendes
Methanhydrat in den Händen eines Forschungscrewmitglieds.
Foto:
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) |
Gasblasen sind wichtigster Indikator für
förderungswürdiges Methaneis
Eines der Hauptprobleme: Der Abbau könnte sich
wirtschaftlich nur lohnen, wenn Ozeanareale gefunden werden, in denen
Methanhydrat in ausreichenden Mengen vorkommt. In einer aktuellen
Untersuchung sind die Meeresforscher am Leibniz-Institut für
Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) - ebenfalls Teil des Netzwerks
"Ozean der Zukunft" - der Nutzung jetzt einen Schritt näher gekommen.
Sie haben den Entstehungsprozess von Methanhydraten im Blake Ridge
(Westatlantik) analysiert haben. Das Ergebnis: Größere Mengen des
Hydrats entstehen hauptsächlich durch folgenden, bereits früher
erforschten Mechanismus: Gasblasen steigen aus einer Tiefe von ein bis
drei Kilometern unterhalb des Meeresbodens auf und gefrieren in ca.
100 bis 500 Meter tiefen Sedimenten zu Gashydrat, da nur hier der
Stoff stabil ist. Diese aufsteigenden Gasblasen lassen sich mit Hilfe
von Schallwellen orten. "Sie sind damit der wichtigste Indikator für
förderungswürdige Mengen von Methanhydrat", so Prof. Dr. Klaus
Wallmann.
Kohlendioxid-Entsorgung im Ozean
Vor einer künftigen Nutzung von Methaneis gilt es
noch viele Fragen zu klären. Ohne den lastenden Druck der Tiefsee und
niedrige Temperaturen zerfällt das Hydrat beispielsweise in kurzer
Zeit in seine Bestandteile. Bei der Bergung könnten daher erhebliche
Mengen des klimaschädlichen Methans in die Atmosphäre gelangen, und
auch seine Verbrennung würde den Treibhauseffekt verschärfen. Wie
könnte man den Abbau nachhaltig gestalten? Um diese Frage zu klären,
untersuchen die Mitglieder des Kieler Forschernetzwerks daher auch, ob
es sinnvoll wäre, abgebautes Methaneis durch das Treibhausgas
Kohlendioxid, das bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern
entsteht, im Meeresboden zu ersetzen. In Zusammenarbeit mit
Wirtschaftswissenschaftlern soll dabei auch überprüft werden, ob ein
CO2-neutraler Abbau sich ökonomisch rechnen würde.
Relevant für das Netzwerk ist zudem der Aspekt,
inwiefern ein Abbau den Meeresboden an den Rändern der Kontinente
destabilisiert und beispielsweise Riesenflutwellen, die gefürchteten
Tsunamis, auslösen könnte. Und nicht zuletzt hätte ein Abbau auch
Auswirkungen auf die vielfältige Lebenswelt am Meersboden. Darüber
hinaus ist es ebenfalls Ziel des Netzwerkes, den rechtlichen Rahmen
einer zukünftigen Nutzung zu klären. Juristen der
Christian-Albrechts-Universität erarbeiten daher ein Konzept zur
zukünftigen Nutzung des Methanhydrats, das die Vergaberechte der
Fördergebiete vor allem außerhalb der Hoheitsgewässer der
Küstenstaaten regelt.
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Gashydrat-Funde
im Ozean und auf dem Land. Die blauen Punkte zeigen die Vorkommen,
an deren Entdeckung Kieler Wissenschaftler beteiligt waren.
Foto:
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) |
Kieler Forschernetzwerk "Ozean der Zukunft"
Im Ozean liegt die Zukunft der Menschheit. Ob
unerschlossene Energiequellen oder medizinische Heilmittel - das Meer
birgt reichhaltige Ressourcen, aber auch Gefahren: Wie beeinflusst der
Klimawandel die Meere und umgekehrt, wo droht die Überflutung von
Küstengebieten? Das Kieler Forschernetzwerk "Ozean der Zukunft"
untersucht Chancen und Risiken der Meere, um daraus Strategien für ein
globales Management zu entwickeln. Seit Dezember 2005 bündeln
Meeresforscher, Geologen, Mediziner, Ökonomen, Mathematiker, Chemiker,
Juristen und Gesellschaftswissenschafter ihre Kompetenzen im Netzwerk.
Zu den Partnern gehören fünf Fakultäten und 26 Institute der Kieler
Universität sowie das Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften
(IFM-GEOMAR), das Leibniz-Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel)
und die Muthesius Kunsthochschule. |