"Elektronische" DNA-Sequenzierung: Änderungen
der Molekülladung als Signal.
Manchmal sind es nur einzelne Basenpaare, in denen
sich ein krankes von einem gesunden Gen unterscheidet
("Punktmutationen"). Für eine systematische Erforschung solcher
Variationen genauso wie für die Diagnostik erblicher Erkrankungen
besteht ein Bedarf an möglichst einfachen, kostengünstigen, raschen
Sequenzierungsmethoden. Japanische Forscher haben nun einen neuen
Ansatz für ein miniaturisiertes "elektronisches" Verfahren entwickelt,
das kleine Unterschiede in DNA-Sequenzen hochempfindlich detektiert.
Anders als herkömmliche Methoden kommt es ohne eine Markierung der
Basen aus. Es basiert auf einem speziellen Halbleiterelement, einem so
genannten Feldeffekttransistor, der Änderungen der Ladung von
DNA-Molekülen detektiert.
Für ihre Sequenziermethode benötigen Toshiya
Sakata und Yuji Miyahara einen Chip, der mehrere
Feldeffekttransistoren (FET) trägt. Ein FET ist ein Halbleiterbauteil,
das ein elektrisches Feld an seiner Oberfläche "spürt". Auf eine
Änderung des Feldes reagiert es mit einer Änderung des Stromflusses
durch seinen leitenden Kanal. Die Oberfläche eines solchen FET
bestücken die Forscher mit kurzen einsträngigen DNA-Stückchen. Diese
Sonden sind die genau passenden Gegenstücke zur Anfangssequenz des zu
untersuchenden DNA-Abschnitts. Wird eine Probe aufgegeben, die die
Ziel-DNA enthält, bindet diese an die Sonden. Mit Hilfe des Enzyms
Polymerase könnte nun die Sonde zu einem vollständigen Gegenstück der
Ziel-DNA ergänzt werden, wenn die vier Bausteine - die Nucleotide
Adenosin, Cytidin, Thymidin und Guanosin (A, C, T und G) - in der
Lösung vorhanden wären. Hier der besondere Trick: Der Chip wird
abwechselnd in vier verschiedene Lösungen getunkt, die jeweils nur
einen einzigen der Bausteine enthalten. Nach jedem Eintunken werden
die elektrischen Charakteristika des FET gemessen. Immer dann und auch
nur dann, wenn ein Baustein an die wachsende Kette angeknüpft wurde,
ist eine Änderung zu verzeichnen. Denn jeder angeknüpfte Baustein
bringt eine negative Ladung mit - und diese ändert das elektrische
Feld an der Oberfläche des FET. Auf diese Weise lassen sich DNA-Ketten
bis zu einer Länge von etwa zehn Bausteinen präzise sequenzieren.
Fehlende, zusätzliche oder variierte Nucleotide lassen sich rasch und
eindeutig identifizieren.
Da elektrische Signale gemessen werden, ist die
Methode sehr leicht zu standardisieren. Miniaturisierte Anordnungen,
die mehrere FETs mit verschiedenen Sonden enthalten, lassen die
parallele Analyse verschiedener Genabschnitte zu.
Quellen und weitere Informationen:
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Publiziert am 14.03.2006
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Autor: Yuji Miyahara, National Institute for Materials Science,
NIMS, Tsukuba
(Japan)