Hochofenzement senkt Energiebedarf und CO2-Emissionen
Aus der industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF)
mit BMWi-Förderung.
Hochleistungsbetone sind nicht nur besonders fest
und dauerhaft. Im Vergleich zu herkömmlichen Betonen wird auch weniger
Material benötigt, was leichtere und schlankere Konstruktionen
ermöglicht. Deshalb kommen diese Werkstoffe immer öfter beim Bau von
Hochhäusern, Straßen und Brücken zum Einsatz, aber auch bei Bauwerken,
die besonderen Angriffen durch Frost, Meerwasser oder Chemikalien
ausgesetzt sind, wie beispielsweise Offshore-Plattformen für die
Ölfelder in der Nordsee. Bislang wird Hochleistungsbeton überwiegend
mit Portlandzement als Bindemittel gefertigt. Mit Unterstützung der
AiF haben Wissenschaftler des FEhS-Instituts für Baustoff-Forschung in
Duisburg jetzt die Herstellung von Hochleistungsbeton mit
Hochofenzement untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die Verwendung
von Hochofenzement bei mindestens gleicher Leistungsfähigkeit des
Endprodukts die natürlichen Ressourcen schont und die Umwelt spürbar
entlastet.
Betonrohr
Foto: E+F GmbH Rohrwerk Epiton
Portlandzement besteht aus überwiegend
natürlichen Rohmaterialien wie Kalkstein, Ton, Sand und Eisenerz, die
zu Klinker gebrannt und dann mit Gips zum fertigen Zement vermahlen
werden. Beim Hochofenzement können bis zu 95 Prozent des
Portlandzementanteils durch Hüttensand ersetzt werden, ein
feinkörniges Nebenprodukt der Roheisenherstellung im Hochofen. Im
vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 5,7 Mio. Tonnen Hüttensand
hergestellt, von dessen Aufbereitung und Verarbeitung vor allem
mittelständische Unternehmen profitieren. Die Herstellung
hüttensandhaltiger Zemente benötigt wesentlich weniger Primärenergie
und verursacht weniger Kohlendioxid-Emissionen als die Herstellung von
Portlandzement: Die Verwendung einer Tonne Hüttensand vermindert den
Ausstoß von Kohlendioxid um rund eine Tonne.
Beton mit Hochofenzement weist bei gleicher Zusammensetzung ein
dichteres Gefüge auf als Beton mit Portlandzement. Zu den zahlreichen
Vorteilen von Beton mit Hochofenzement zählt seine geringe Porosität,
die ihn gut vor dem Eindringen von Flüssigkeiten schützt. Im Vergleich
zu Beton mit Portlandzement kommt es weit seltener zu Rissbildung
durch Wärmespannungen. Dies ist bei der Herstellung von
Hochleistungsbeton ein besonderer Vorteil, da wegen höherer
Zementgehalte auch eine höhere Erwärmung des Betons erfolgt. Gegenüber
aggressiven Chemikalien wie Salzen oder kalklösender Kohlensäure ist
er widerstandsfähiger und hält auch einem Meerwasserangriff deutlich
länger stand. Beton mit Hochofenzement hat sich deshalb bereits beim
Bau von Auffangbehältern und Produktionsanlagen in der chemischen
Industrie sowie bei Tankstellen und Kläranlagen bewährt.