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Vierzig Millionen Euro steckt die Europäische
Kommission in den kommenden drei Jahren in zehn Forschungskonsortien,
die den Wasserhaushalt genauer unter die Lupe nehmen. "Reclaim Water"
ist eines dieser Projekte. Wie können die kommunalen Abwässer in den
wasserarmen Gebieten der Welt so gereinigt werden, dass sie möglichst
billig wieder zu Grund- und Trinkwasser werden, fragen sich die
Forscher mehrerer beteiligter Forschungseinrichtungen in diesem
Projekt.
Mathias Ernst vom Forschungsschwerpunkt "Wasser in
Ballungsräumen" der TU Berlin kennt eine ganze Reihe solcher
Verfahren, mit denen Wasser recycelt oder wieder gewonnen werden kann.
Von High-Tech-Verfahren wie den Membran-Bio-Reaktoren (MBR) bis zu
uralten Methoden wie den Tropfkörpern reicht die Palette der Methoden,
die unter die Lupe genommen werden. An Tropfkörpern finden im Abwasser
lebende Mikroorganismen Halt und können schädliche organische
Verbindungen "fressen".
Ein ähnliches Prinzip findet sich auch in so
genannten Wetlands, Schilfkläranlagen die auch in Deutschland bekannt
sind. Dort leitet man Abwasser in ein kleines Feuchtgebiet, in dem es
vor Mikroorganismen wimmelt, die schädliche organische Verbindungen zu
ihren Leibspeisen zählen und so das Wasser klären. Was ist jedoch für
welche Region geeignet?
Der TU-Wasserchemiker Martin Jekel entwickelt mit
seinem Team für dieses EU-Projekt Tests, mit denen sich Antibiotika im
Wasser nachweisen lassen. Sie bekämpfen zwar gefährliche
Bakterien-Infektionen, gelangen aber auch in die Abwässer und machen
dort Bakterien resistent. Auf Krankheitserreger übertragen, wirken
gegen diese dann die Antibiotika nicht mehr - die Ärzte verlieren so
eine wichtige Waffe gegen Infektionskrankheiten.
Eine zweite Gruppe der TU Berlin unter Leitung von
Ulrich Szewzyk entwickelt daher einen Gentechnologie-Test, der ihnen
mit Hilfe der so genannten PCR-Methode zeigt, ob sich bereits Erbgut
mit den Antibiotika-Resistenzen im Wasser findet. Mit dieser Methode
können die Forscher praktisch zeigen, welche Wasserreinigung nach
welcher Zeit Antibiotika und dagegen resistente Mikroorganismen aus
dem Abwasser entfernt hat.
Martin Jekel und seine Mitarbeiter vom Fachgebiet
Wasserreinhaltung der TU Berlin konzentrieren sich nicht nur auf
Antibiotika, sondern auch auf lösliche organische Verbindungen. Davon
gibt es viele tausend verschiedene, etliche davon sind mehr oder
minder gefährlich. Einzelne dieser Substanzen im Wasser zu
untersuchen, ist also zu aufwändig. Die Forscher entwickeln daher
Methoden, mit denen sie feststellen können, wie sich diese Stoffe im
Laufe der Abwasserbehandlung und im Boden verändern. Auch so lässt
sich abschätzen, mit welcher Methode und wann gefährliche Substanzen
aus dem Wasser verschwunden sind - und welche Reinigungsmethode sich
für bestimmte Wassermangelgebiete am besten eignet.
Autor: Roland Knauer |