|

Das Bild zeigt eine großtechnisch-chemische Anlage mit
EnviNOx®-Verfahren der Firma Agrolinz Melamine International in
Linz, Österreich
(Foto: Uhde GmbH)
|
Lachgas ist ein natürlich vorkommendes Gas der
Erdatmosphäre. Obwohl es dort nur in Spuren vorkommt, trägt es
insgesamt etwa fünf Prozent zum globalen Treibhauseffekt bei, da
Lachgas bezogen auf seine Masse etwa 300mal stärker wirkt als
Kohlendioxid. Lachgas reflektiert Wärmestrahlung, die sonst ins
Weltall entweichen würde. Außerdem beschleunigt es in der Stratosphäre
unter UV-Licht den Abbau von Ozon und vergrößert damit die
'Ozon-Löcher'.
In großen Mengen entsteht das klimaschädliche Gas bei der Herstellung
von Salpetersäure, einem wichtigen Grundstoff der chemischen
Industrie. "Eine herkömmliche, mittelgroße Salpetersäureanlage
produziert in einem Jahr etwa 2000 Tonnen Lachgas", berichtet
Professor Dr. Thomas Turek vom ICVT. "Unbehandelt in die Atmosphäre
abgegeben, entspricht diese Menge einer Klimaschädigung durch den
jährlichen Kohlendioxidausstoß aller Pkw der Stadt Hannover."
Klimaschutz mit umweltfreundlichen Mitteln
Das von Uhde patentierte EnviNOx(reg.)-Verfahren entfernt Lachgas und
sonstige Stickoxide aus dem Abgas von Salpetersäureanlagen und wandelt
diese in zwei Schritten in die unschädlichen Luftbestandteile
Stickstoff, Sauerstoff und in Wasser um. Eine besondere Rolle kommt
dabei einem Katalysator zu, der diese Umwandlung beschleunigt. Ein
Katalysator ist ein Stoff, der die Geschwindigkeit einer chemischen
Reaktion verändert und der nach der Reaktion in unveränderter Form
vorliegt. Bei einer katalytischen Reaktion fallen außerdem oft weniger
unerwünschte Nebenprodukte an, als bei einer Reaktion ohne
Katalysator.
Der Katalysator des EnviNOx(reg.)-Verfahrens besteht aus einem porösen
kristallinen Körper, auf den Eisen aufgebracht wird. Er ist sehr
umweltfreundlich und kann nach seiner Lebensdauer von mehreren Jahren
leicht entsorgt werden.
"Das Institut für Chemische Verfahrenstechnik der TU Clausthal
unterstützt die Weiterentwicklung des EnviNOx(reg.)-Verfahrens von
Uhde durch Laboruntersuchungen", erläutert Turek. "Wir ermitteln die
Leistungsdaten des Katalysators und können dann berechnen, wie groß
ein technischer Reaktor in der Praxis sein muss, um die Stickoxide
möglichst vollständig zu entfernen." Uhdes EnviNOx?-Technologie hat
sich bereits in einer großtechnischen Salpetersäureanlage erfolgreich
bewährt. Sie wird zur Zeit in vier weiteren Anlagen implementiert.
Insgesamt verringert sich dadurch die Klimabelastung mit Treibhausgas
in der Größenordnung von etwa 3,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid im
Jahr.
Uhde ist ein Unternehmen der ThyssenKrupp Technologies mit weltweit
mehr als 4 300 Mitarbeitern. Schwerpunkte der Unternehmensaktivitäten
sind die Planung und der Bau von Chemie- und Industrieanlagen in den
Bereichen: Raffinerietechnik, Anlagen für Düngemittel, organische
Zwischenprodukte, Polymere und Synthesefasern, Elektrolyse-Anlagen,
Gastechnik, Anlagen zur Öl-, Kohle- und Rückstandsvergasung,
Kokereitechnik und Pharma.
"IdeenPark 2006" - Begeisterung für Technik wecken
Unter dem Motto "Technik entdecken - Zukunft gestalten" präsentiert
der "IdeenPark 2006" von ThyssenKrupp gemeinsam mit dem Land
Niedersachsen und über 50 Partnern neun Tage lang auf 30 000
Quadratmetern "Technik zum Anfassen und Begreifen". Auf der
Ausstellung werden etwa 100 Exponate und Experimente zu sehen sein.
Die TU Clausthal und das Clausthaler Umwelttechnik Institut (CUTEC)
beteiligen sich mit fünf Exponaten und einem Vortrag am IdeenPark, der
in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet.
|