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Antimon - die Ägypter benutzten es vor mehr als
3500 Jahren zum Schminken und die Babylonier verwendeten es für die
Verzierung von Backsteinen. Im Mittelalter fand es seine Anwendung als
Abführmittel und im 17. Jahrhundert schließlich war Antimon als
Medizin in jeder Apotheke zu bekommen.
Als homöopathisches Mittel ist Antimon auch heute
noch in Apotheken zu erstehen, zusätzlich ist es in vielen Produkten
des täglichen Lebens enthalten. Beispielsweise in Bremsbelägen, wo es
als Gleitmittel fungiert, damit es beim Bremsen nicht ruckelt. Ebenso
ist es in Textilien oder auch im Fernseher zu finden und setzt dort
die Entflammbarkeit der Materialien herauf.
Obwohl schon im 17. Jahrhundert bekannt war, dass
Antimon auch eine toxische Wirkung besitzt, ist die Forschung
bezüglich der Verbreitung und der Toxizität von Antimonverbindungen
bisher nicht sehr weit gediehen. Grund genug für Professor William
Shotyk und seine Mitarbeiter Dr. Michael Krachler und Dr. Bin Chen vom
Institut für Umwelt-Geochemie der Universität Heidelberg, den 1.
Antimon-Workshop zu veranstalten.
Ihr Ziel ist dabei hoch gesteckt. "Wir wollen alle
Antimon-Forscher der Welt zu einem Erfahrungsaustausch an einen Tisch
bringen", erläutert Michael Krachler. Dies könnte auch gelingen, denn
die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt den Workshop
maßgeblich, indem sie beispielsweise die Anreise der auswärtigen
Spezialisten finanziert. So haben sich zwischenzeitlich mehr als 60
Fachleute aus aller Welt, sogar aus Australien, angemeldet.
"Antimon ist mit Arsen stark verwandt und zehn Mal
giftiger als Blei", stellt Michael Krachler die negative Seite des
Elements klar. Während aber über Arsen nahezu alles erforscht ist und
Blei als Zusatz im Benzin für Kraftfahrzeuge verboten wurde, war über
Antimon bisher nicht viel zu erfahren. "Antimon und seine Verbindungen
sind schwieriger zu bestimmen als Arsen und Arsen-Verbindungen. Dazu
kommt, dass fünf Mal mehr Arsen in der Umwelt vorhanden ist als
Antimon", erklärt Michael Krachler die Problematik. Folglich liegt ein
Schwerpunkt des Workshops auf der Analytik von Antimon. Weitere
Schwerpunkte sind die Verbreitung und das Verhalten von Antimon im
Wasser, im Boden und in der Luft. Aber auch der gesundheitsschädigende
Aspekt dieses Elements kommt bei dem Workshop nicht zu kurz.
Dass in Heidelberg der erste Workshop dieser Art
ausgerichtet wird, ist kein Zufall. Schließlich verfügt das Institut
für Umwelt-Geochemie über eines der modernsten universitären
Reinluftlabore Deutschlands. "Das ist für den Nachweis von Antimon
auch unbedingt notwendig", so Michael Krachler. Denn bei den geringen
Antimon-Gehalten im zu untersuchenden Material kann bereits ein
Staubkorn die Analyse verfälschen. Bei dem Untersuchungsmaterial hat
sich die Arbeitsgruppe um William Shotyk auf Torf- und Eiskerne
spezialisiert.
Beide Materialien ermöglichen es weit in die
Vergangenheit zurückzublicken, um festzustellen, wie hoch
beispielsweise die Antimon-Gehalte in der Atmosphäre vor 15 000 Jahren
waren. Denn im Eis oder im Torf des entsprechenden Alters sind diese
Daten unverändert enthalten. Nur so lässt sich auch der natürliche
Gehalt dieses Elements in unserer Umwelt bestimmen. Ein wichtiger
Schritt, um schließlich Grenzwerte festzulegen. So sehen die
Heidelberger Forscher den Workshop als Katalysator für weitere
Forschungsarbeiten und erhoffen sich in Zukunft eine engere
Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen. |