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Mitarbeiterin des Institutes für Pflanzenernährung und
Bodenkunde der FAL in Schutzkleidung bei der Arbeit mit
Uran-kontaminierten Böden
Foto: FAL-PB

Maschinengewehr-Munition (173*30mm) mit DU-Penetrator
(300g)
Foto: FAL-PB
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Ein dankbarer Abnehmer für DU ist das Militär geworden, denn DU
besitzt für die Herstellung von Geschossen (Foto 1) besondere Vorteile
gegenüber herkömmlichen Materialien. Mit einem spezifischen Gewicht
von 19 kg/L ist DU 70 % schwerer als Blei, fast so schwer wie Gold
oder Wolfram, aber eben unvergleichlich billiger als diese. Die
schweren Geschosse durchschlagen besser als jedes andere Material
Panzerungen von Fahrzeugen und Gebäuden. Darüber hinaus ist DU "pyrophor",
d.h. es verbrennt bei mechanischer Einwirkung und erhöht dadurch die
zerstörende Wirkung der Munition. In Kriegen der vergangenen 14 Jahre
(Irak, Kuwait, Bosnien, Kosovo, Serbien, Montenegro, Afghanistan)
wurden etwa 1,4 Millionen DU Geschosse entsprechend einer Masse von
400.000 kg DU verschossen.
Neben den USA besitzen oder entwickeln Frankreich, Großbritannien,
Israel, Pakistan, Russland, Saudi Arabien, Thailand und die Türkei
DU-Munition. Die UNEP (United Nations Environmental Program
(Umweltschutz-Organisation der Vereinten Nationen) in Nairobi)
schildert den typischen Angriff eines A10 Bombers auf ein Ziel am
Boden als "einen Feuerstoss von etwa 2 Sekunden, bei dem etwa 200
Projektile in gerader Linie in einem Abstand von 1-3 Metern eine
Fläche von ca. 500 m2 bedecken". Von diesen 200 Geschossen treffen
jedoch kaum mehr als 10 ihr Ziel, der Rest verschwindet im Boden. UNEP
geht von 30.000 im Kosovo verschossenen DU-Projektilen aus. Die von
UNEP im November 2000 entsandte Such-Expedition der "Balkan Task
Force" fand davon aber nur sieben komplette und ein halbes Projektil
wieder. Und genau hier beginnt das Problem: Bislang hat man sich
toxikologisch und ökologisch lediglich um das DU der wenigen
Treffer-Geschosse gekümmert, die beim Aufprall zu Uranoxid Staub
verbrennen, der die Atemluft belastet oder Gegenstände kontaminiert.
Das Schicksal des DU aus der weitaus größeren Anzahl der Geschosse,
die ohne ein Ziel zu treffen in den Boden gelangen, ist weitgehend
unbekannt. Neben seiner Gefährlichkeit als Radionuklid ist Uran ein
toxisches Schwermetall, das sich bevorzugt in Knochen anreichert und
verschiedenste Krankheiten, angefangen von Funktionsstörungen der
Nieren, der Lunge und der Leber bis hin zu Krebs und
Erbgutveränderungen auslösen kann. Uran-Belastungen werden
insbesondere in Verbindung mit dem so genannten "Golf-Kriegs" Syndrom
bei Soldaten gebracht, die in diesen Gebieten im Einsatz waren, ein
Umstand, der DU in Veteranenkreisen den Namen "Metal of Dishonor"
eingebracht hat.
Wissenschaftler/innen des Institutes für Pflanzenernährung und
Bodenkunde der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in
Braunschweig untersuchen seit 5 Jahren in umfangreichen und
aufwendigen Versuchen Faktoren, die für die Auflösung von Uran und
seinen Oxiden im Boden verantwortlich sind (Foto 2). Die in den Böden
eingestellten Uran-Konzentrationen entsprachen den Belastungen eines
"Standardbeschusses" mit DU Munition. Die Ergebnisse zeigen, dass in
den Boden als Uranoxid eingebrachtes Uran durch physikochemische und
biologische Vorgänge gelöst und für Pflanzen aufnehmbar wird. Nach 3
Jahren Verbleib im Boden waren bis zu 40% des zugeführten Urans in
mobile Verbindungen übergegangen. Solche mobilen Uran-Verbindungen
können entweder von Pflanzen aufgenommen, oder in Böden und Gewässer
verlagert werden. Die von den Pflanzen aufgenommenen Uran-Mengen
hingen in den Versuchen der FAL direkt von den Uran-Konzentrationen im
Boden ab. Bezogen auf den Gesamturangehalt des Bodens gingen 0,4 -0,6
%, oder bezogen auf den verfügbaren Anteil an Uran 5 - 6% aus dem
Boden in oberirdische Teile von Pflanzen über. Die
Uran-Konzentrationen der Pflanzen lagen schon in den geringsten
Belastungsstufen um bis zu tausendmal höher als in den Kontrollen. Die
FAL-Wissenschaftler/innen fanden aber auch, dass die Mobilisierung des
Urans mit abnehmender Fruchtbarkeit des Bodens (niedrigere pH-Werte,
geringere Gehalte an mineralischen Pflanzennährstoffen, vor allem
Phosphor) zunimmt. Wenig fruchtbare Böden sind aber gerade typisch für
Krisengebiete und die Bevölkerung ist dort auf Selbstversorgung vom
eigenen Boden angewiesen. Beides sind Aspekte, welche die Tragik der
Auswirkungen von DU-Munition erheblich erhöhen, eben ein "Metal of
Dishonor".
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