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Prof. Dr. Markus Reiher
Foto: Scheere/Fotozentrum Uni Jena
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Seit seinen Studientagen treibt den gebürtigen
Paderborner die Frage, warum eine chemische Reaktion so abläuft, wie
sie es tut und was dabei auf der Ebene der Elektronen und Atome
passiert. Dass er mit seinen quantenchemischen Berechnungen von
Schwingungsspektren großer Moleküle keineswegs die Laborkollegen
ersetzen will, stellt der neue Theoretiker am Institut für
Physikalische Chemie der Uni Jena sofort klar. "Aber ich kann ihnen
helfen, knifflige Fälle zu lösen, Vorschläge zur Optimierung von
Synthesen unterbreiten oder Voraussagen machen, wie ein bestimmtes
Produkt aussehen müsste", erklärt er den Ansatz.
Letzteres ist zum Beispiel dann wichtig, wenn man die Funktion von
organischen Molekülen erforscht, deren Bauplan noch nicht
entschlüsselt ist. Es gibt einige "heilige Grale", die den neuen
Professor reizen. So etwa die Proteine, die die Stickstoffbindung aus
der Luft katalysieren. Für die Nachahmung dieser Reaktion, die
Bakterien mit Hilfe von Enzymen mit Metallkern meistern, brauchen
Chemiker Temperaturen von 500 Grad Celsius und Drücke von 300 Bar.
Auch Reaktionen an den offenschaligen Metallzentren, die bei der
Photosynthese dafür sorgen, dass Pflanzen den für uns lebenswichtigen
Sauerstoff generieren, sind noch nicht vollständig verstanden.
Quantenchemiker wie Reiher liefern wichtige Bausteine. Wichtig sind
seine Arbeiten auch da, wo man es mit radioaktiven Substanzen zu tun
hat. Hier verzichtet man lieber auf Experimente und simuliert die
Reaktionen am Computer. "Zumal bei schweren Elementen auch im
Mikrokosmos relativistische Effekte zu beachten sind", erklärt Reiher,
der an der Schnittstelle zwischen Quantenphysik und Chemie forscht.
Nach dem Chemiestudium an den Universitäten Paderborn und Bielefeld,
promovierte er 1998 über numerische Algorithmen zur Lösung von
Feldgleichungen für relativistische Atomstrukturen. In seiner mehrfach
mit Preisen ausgezeichneten Habilitation (2002), die er an der
Universität Erlangen anfertigte, wandte er sich den genannten
Bioanorganischen Molekülsystemen zu. Forschungsaufenthalte führten ihn
nach Tel Aviv, Budapest und an die Universität Tromsø. Zuletzt war er
an der Universität Bonn tätig. Den Ruf nach Jena hat Reiher gerne
angenommen, denn "für meine Arbeiten gibt es hier reichlich
Anknüpfungspunkte", sagt er. Sowohl mit der Gruppe von Professor Popp,
die sich mit Schwingungsspektroskopie im weiteren Sinne beschäftigt,
als auch zu den Chemikern des Sonderforschungsbereichs, der
metallvermittelte Reaktionen nach dem Vorbild der Natur untersucht,
hat er bereits Kontakte geknüpft.
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