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Ein solches Konzept ist beispielsweise die
selbstorganisierte Strukturbildung eines nicht-linearen Systems: Ohne
äußere Einwirkung bilden sich spontan geordnete räumliche und
zeitliche Muster aus. Diese Muster können bei Änderungen der Parameter
auch turbulent oder chaotisch werden; andererseits werden unter dem
Stichwort "Chaoskontrolle" Verfahren entwickelt, um durch kleine
Eingriffe in das System gerade dieses Chaos zu unterdrücken. In einer
Reihe von Minisymposien sowie längeren Plenarvorträgen mit
ausgewählten internationalen Spezialisten werden neue Trends auf
diesen und anderen Gebieten präsentiert.
Einige Highlights aus dem Programm:
In der Hirnforschung werden neuartige Methoden der
"Chaoskontrolle" zur
Bekämpfung von Krankheiten wie Parkinson oder Tremor vorgestellt
Plenarvortrag I1, am 25.7., um 9:30 Uhr, Prof. Peter A. Tass, Jülich,
Germany
Korrosion von rostfreiem Stahl kann durch plötzlich
auftretende Strukturbildung detailliert erklärt werden; Plenarvortrag
I2, am 25.7., um 18:00 Uhr, Prof. J. L. Hudson, University of
Virginia, USA
Zur abhörsicheren Verschlüsselung von Daten können
Methoden der Chaostheorie eingesetzt werden; Kurzvortrag C4.1, am
26.7., um 14:00 Uhr, Prof. W. Kinzel, Würzburg, Germany
Magnete, zerknülltes Papier und Erdbeben haben
unerwartete Gemeinsamkeiten, die neue Einsichten und Vorhersagen
erlauben, wenn universelle Methoden der nichtlinearen Dynamik benutzt
werden; Plenarvortrag I6, am 27.7., um 9:00 Uhr, Prof. Karin Dahmen,
University of Illinois, USA
In der Zellbiologie hat sich das Konzept eines
dynamischen Polymer-Netzwerkes als essentiell herausgestellt; dies
eröffnet beispielsweise neue Wege zur Früherkennung von Krebs;
Plenarvortrag I8, am 28.7., um 9:00 Uhr, Prof. Josef A. Käs, Leipzig,
Germany
Die vielfältigen Anwendungen der nichtlinearen
Dynamik und Strukturbildung in der Nanotechnologie (von
Halbleiter-Nanostrukturen bis hin zur chemischen Katalyse) werden erst
allmählich erkannt. Hierzu findet ein Minisymposium mit
Podiumsdiskussion von Experten statt.
M11 Minisymposium: Nonlinear Dynamics of
Nanosystems, am 28.7., Vorträge 11:00 - 12:00 Uhr; Podiumsdiskussion
12:00 - 12:30 Uhr, Moderator: Prof. Heinz Georg Schuster, Kiel,
Germany.
Alle diese Phänomene werden gegenwärtig weltweit
intensiv untersucht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des
Instituts für Theoretische Physik der TU Berlin haben zu vielen dieser
Forschungsthemen im Bereich der nichtlinearen Physik wichtige Beiträge
geleistet und führen derzeit umfangreiche neue Forschungen durch. So
werden z.B. Kontrollverfahren zur gezielten Beeinflussung von
komplexen Mustern in Halbleiter-Nanostrukturen oder in chemischen
Reaktionssystemen und weicher Materie entwickelt, ebenso werden
nichtlineare optische Phänomene auf ultrakurzen Zeitskalen berechnet.
Während der Tagung gibt es zudem eine Ausstellung
von Experimenten zu Chaos und Strukturbildung sowie
Klanginstallationen und ein Konzert (26. 7., 19:30 Uhr; Ort:
Information im Foyer). Diese Klanginstallationen unter dem Titel
"Music Complexes" beruhen auf Forschungen in der musikalischen Akustik
an der Universität Hamburg, bei der Wissenschaftler und Künstler
zusammenwirken. Rolf Bader (Gitarre), Autor des neu erschienenen
Buches "Computational Mechanics of the classical Guitar", stellt
zusammen mit der bekannten Hamburger Performance-Künstlerin Judit
Haman sowie den Musikern Heiner Metzger (Saxophon) und Manfred Stahnke
(Klavier) Aspekte der nichtlinearen Dynamik von Musikklängen in Form
einer audio-visuellen Ausstellung und von Instrumental-Improvisationen
dar.
Diese Tagung repräsentiert das breite
Gesamtspektrum des interdisziplinären Gebietes der Nichtlinearen
Dynamik mit einem großen Kreis ausländischer Teilnehmerinnen und
Teilnehmer aus den Gebieten der Physik, Mathematik, Chemie, Biologie
und Ingenieurwissenschaften. Sie ist die wichtigste europäische Tagung
auf diesem Gebiet und hat von der European Physical Society das
Gütesiegel "Europhysics Conference" verliehen bekommen. Frühere
Tagungen dieser Reihe fanden in Spanien, Großbritannien, Italien,
Frankreich, Ungarn, Polen, in den Niederlanden und Deutschland statt. |