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Prof. Dr. Rainer Meckenstock, Leiter des GSF-Instituts für
Grundwasserökologie

Wenn man die Organismen auf mit Deuterium
markiertem Naphthalin wachsen ließ (unteres Massenspektrum), fand
sich in der Kultur ein Metabolit, den man auch vom Abbau von
Methylnaphthalin kennt.
Fotos: Baumgart, IGÖ, Photocase
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Kohlenwasserstoffe sind generell hervorragende
Kohlenstoffquellen für Mikroorganismen. Sofern genügend Sauerstoff
vorhanden ist, werden sie relativ schnell abgebaut. Da sich Sauerstoff
aber nur in geringen Mengen im Wasser löst (ca. 8 Milligramm pro
Liter), wird er beim Abbau von Verunreinigungen schnell durch aerobe
Atmung verbraucht. Damit fehlt Sauerstoff für die Aktivierung der
aromatischen Substanzen durch Mono- oder Di-Oxygenasen, die beim
aeroben Abbau eine wichtige Rolle spielen. Anaerobe Mikroorganismen
müssen deshalb völlig andere biochemische Reaktionen in Gang setzen,
um solche Substanzen angreifen zu können.
Bislang gibt es nur wenige Untersuchungen darüber, wie aromatische
Kohlenwasserstoffe in Abwesenheit von Sauerstoff abgebaut werden. Der
erste Schritt beim anaeroben Abbau von Toluol erfolgt zum Beispiel
über die Addition von Fumarat an die Methylseitenkette. Diesen
Reaktionstyp findet man auch bei weiteren methylierten Aromaten.
Über den anaeroben Abbau von nicht-substituierten Aromaten (d.h.
Aromaten ohne Seitenketten) ist nur sehr wenig bekannt, was zum Teil
daran liegt, dass die dafür notwendigen Mikroorganismen nur sehr
schwer zu kultivieren sind. GSF-Wissenschaftlern um Rainer Meckenstock
gelang es, einen Mikroorganismus zu isolieren, der sowohl mit
Naphthalin als auch mit Methylnaphthalin als Kohlenstoffquelle wachsen
kann. Ein Vergleich der bei diesem Vorgang auf beiden Substraten
ablaufenden Reaktionen gab bereits Hinweise darauf, dass die
Aktivierung des an sich sehr reaktionsträgen Naphthalin über die
Methylierung des aromatischen Systems zu 2-Methylnaphthalin erfolgt.
Insbesondere folgendes Experiment aber bewies die Gültigkeit dieser
Hypothese: Wenn man die Organismen auf mit Deuterium markiertem
Naphthalin wachsen ließ, fand sich in der Kultur ein Metabolit, den
man auch vom Abbau von Methylnaphthalin kennt. Da dieser ebenfalls mit
Deuterium markiert war, musste er aus der Methylierung und
anschließender Fumarataddition des markierten Naphthalin stammen. Die
Wissenschaftler vermuten, dass es sich dabei um eine generelle
anaerobe Aktivierungsreaktion für nichtsubstituierte aromatische
Kohlenwasserstoffe handelt. Mittlerweile liegen Hinweise vor, dass
sich auch der Abbau von Benzol mit Mikroorganismen über eine
Methylierung vollzieht.
Diese Entdeckung hat unter anderem wirtschaftliche Bedeutung für die
Exploration von Öllagerstätten. Denn der Nachweis des oben erwähnten
Metaboliten ist ein Indiz dafür, dass anaerobe Abbauprozesse
stattfinden, und gibt damit Auskunft über das Alter des Öls.
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