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1. Zusammensetzung
Als Streusalze sind Natriumchlorid (NaCl),
Magnesiumchlorid (MgCl2), Calciumchlorid (CaCl2)
und Magnesiumchlorid-Calciumchlorid-Salzmischungen in Gebrauch. Das
übliche Streusalz besteht aus Natriumchlorid, auch Steinsalz oder
Kochsalz genannt. Als natürliche Begleitstoffe kommen unlösliche
Bestandteile, z.B. Ton, und andere Salze, z.B. Calciumsulfat bzw.
Gips, vor. Natriumchlorid ist das preiswerteste Auftausalz und eignet
sich für Temperaturen von -1 °C bis -10 °C, während bei tieferen
Temperaturen Magnesium- und Calciumchlorid besser geeignet sind.
Dementsprechend ist es das in Deutschland zur Eisfreihaltung von
Straßen am häufigsten verwendete Streusalz. Der Durchschnittsbedarf
liegt bei ungefähr 1,5 Millionen Tonnen pro Saison, schwankt jedoch je
nach Stärke des Winters enorm.
Feuchtsalz, das heißt die Verwendung von
Calciumchlorid- oder Magnesiumchlorid-Lösungen, haftet im Gegensatz
zum Natriumchlorid-Trockensalz besser auf der Straße und besitzt eine
höhere Tauwirkung; dadurch ist es bei Glatteis effektiver. Durch das
verminderte Verwehen von Feuchtsalz kann sich der Salzverbrauch
verringern. Neben den damit verbundenen geringeren Kosten vermindert
sich die Salzzufuhr in den Boden, die schädigende Wirkung auf Bäume
und Pflanzen sowie auf die korrosionsgefährdeten Bauteile (Brücken,
Kraftfahrzeuge). Andererseits bewirkt das besondere Haftvermögen
zugleich ein längeres Verweilen auf Karosserien, Brückenbauwerken und
Vegetation, so dass speziell im innerstädtischen Bereich vermehrt
Kontaktschäden auftreten können. Das Streuen von Feuchtsalz findet
bereits seit Jahren eine starke Verbreitung.
2. Auswirkungen des gestreuten Salzes auf Umwelt
und Gesundheit
Auf die Fahrbahn ausgebrachtes Streusalz bildet ein
Gemisch mit Eis und Schnee. Ein Teil des Salzes geht in Lösung und
wird mit dem von der Straße abfließenden Schmelzwasser in den
Straßenrandbereich befördert, wo es entweder versickert und bis ins
Grundwasser gelangt oder über den Vorfluter des Abflusssystems
wegtransportiert wird.
Ein anderer Teil des Salzes erreicht über
Spritzwasser (sog. "Verkehrsgischt") den Straßenrandbereich. Im
innerstädtischen Bereich werden ca. 5 bis 15% - abhängig vom
Fahrverhalten der Autofahrer - der ausgebrachten Streumenge mit der
Verkehrsgischt als Salz-Aerosole aufgewirbelt und verfrachtet.
2.1 Gesundheitsrelevanz durch
Feinstaubbelastung?
Aus gesundheitlicher Sicht muss betont werden, dass
die aus Streumitteln stammenden Partikel im Feinstaub sicher keine
nennenswerte Relevanz besitzen. Zwar werden sie auch in den
Feinstaubfraktionen nachgewiesen. Die Wirkung ihrer Bestandteile tritt
aber - im Vergleich zu der von Partikeln, die aus
Verbrennungsprodukten stammen - völlig in den Hintergrund.
In jüngerer Zeit war die hohe Feinstaubbelastung in
verkehrsnahen Gebieten auch mit dem Einsatz von Streumitteln in
Zusammenhang gebracht worden. So hatten Messungen des bayerischen
Landesamts für Umweltschutz im Februar 2005 erhöhte Salzgehalte in den
Messwerten der Fraktion PM10 ergeben. Insgesamt wurden Streusalz und
Rollsplitt in Bayern für etwa 15 Prozent der Feinstaubbelastung
verantwortlich gemacht.
Dagegen hat der Einsatz von Streusalz nach einer
Untersuchung des österreichischen Umweltbundesamts aus dem Jahr 2002
keinen maßgeblichen Einfluss auf die Feinstaubbelastung. Vielmehr
fanden sich im Rahmen einer Messkampagne zur Ermittlung der PM10- und
PM 2,5-Staubfraktionen in verkehrsnahen Gebieten Natrium- und
Chloridinhaltsstoffe bevorzugt in den gröberen Staubfraktionen.
2.2 Straßenrandbereich
Man unterscheidet direkte Kontaktschäden durch
Verspritzen der Salzlösung auf die Pflanze durch den Verkehr sowie
indirekte Schäden durch Bodenversalzung: Hochkonzentrierte salzhaltige
Aerosole können sich auf oberirdischen Pflanzenteilen ablagern und in
die Pflanzen eindringen. Das Überangebot an Natrium und Chlorid ruft
Ätz- und Verbrennungsschäden hervor. Salzgeschädigte Bäume weisen
typische Symptome auf: Späterer Austrieb im Frühjahr, kleinere
Blattoberflächen und Nekrosen an Blatträndern und Spitzen, frühere
Verfärbung und Laubabfall im Herbst. In Deutschland gehört die
Mehrzahl der Straßenbäume zu den besonders streusalzempfindlichen
Arten, wie Ahorn, Linde oder Kastanie.
Im Boden kann der Einsatz von Streusalz zur
Verschlämmung und Verdichtung führen. Dies hat zur Folge, dass die
Wasserbeweglichkeit gehemmt und die Durchlüftung verringert wird. Die
freigesetzten Nährstoffe werden mit dem Sickerwasser in tiefere
Bodenregionen ausgewaschen und stehen somit den Pflanzen nicht mehr
zur Verfügung.
Eine dauerhafte Erholung von Boden und Vegetation
kann nur durch vollständigen Verzicht auf Auftausalze erreicht werden.
Untersuchungen im Auftrag des Umweltbundesamts haben gezeigt, dass
nach mehrjährigem vollständigem Verzicht auf Tausalz im
innerstädtischen Bereich sowohl die Schadsymptome als auch die
Chlorid- und Natriumkonzentrationen in Blättern und Zweigholz stark
abnehmen.
2.3 Gewässer
Über das Abfließen oder Versickern von Tauwasser
von mit Streusalz behandelten Flächen, das Ablagern von Räumschnee und
-eis und über Verluste beim Lagern und Anwenden der Salze gelangen
Streusalze auch in die Gewässer. Sie belasten die Gewässer und ggf.
Kläranlagen. So wurden in der Vergangenheit in der Nähe von Autobahnen
erhöhte Salzgehalte im Grundwasser von 20-30 mg/l auf 300 mg/l während
einer Streuperiode gemessen.
Der Einsatz von Streusalz in den Kommunen in aber
den vergangenen Jahren laut Umweltbundesamt stetig zurückgegangen;
daher deuten die in straßennahen Grundwasserhauptmessstellen
ermittelten Chloridgehalte langfristig auf eine überwiegend fallende
Tendenz der Chloridkonzentration im Grundwasser hin. Insgesamt stellt
die Belastung von Grundwasser, Oberflächengewässern und Kläranlagen
mit Chloriden aus der Streusalzverwendung derzeit kein vorrangiges
Problem für den Gewässerschutz dar.
2.4 Ökonomische Schäden
Neben den ökologischen Konsequenzen auf
Straßenrandböden und -bewuchs sollte man die ökonomischen Folgeschäden
von ausgebrachter und verspritzter Salzlösung wie Korrosionsschäden an
Betonbauteilen, Stahlträgern und Kfz-Karosserien nicht außer Acht
lassen. Schäden an Betonteilen werden durch lokale Unterkühlung und
chemischen Angriff hervorgerufen. Korrosionsschäden an tragenden
Teilen und Karosserien von Kraftfahrzeugen werden zu ca. 50% auf die
Einwirkung von Streusalz zurückgeführt. Von den anderen 50% nimmt
einen Großteil die atmosphärische Korrosion durch
luftschadstoffbelastete Umgebungsluft ein.
3. Abstumpfende Streustoffe als Alternative?
Salzfreie Streumittel Split, Kies, Granulat und
Sand scheinen auf den ersten Blick umweltfreundlicher zu sein als
chemische Auftaumittel, sind aber insgesamt betrachtet aus Umweltsicht
nicht besser zu werten als Auftausalze.
Problematisch ist vor allem die Entsorgung des
Streusplits. Eine Wiederaufbereitung ist aus Kostengründen nicht
rentabel, aufgrund von Verunreinigungen durch Reifenabrieb und
Straßenschmutz wäre eine Nassreinigung erforderlich. Im
innerstädtischen Bereich ist zudem eine aufwändige mechanische
Reinigung der Fahrbahnrinnen und Einlaufschächte der Kanalisation
notwendig.
Die Verkehrssicherheit durch salzfreie Streumittel
ist auch nur gewährleistet, wenn häufiger und größere Mengen gestreut
werden, da sie auf glatten Straßen nur eine begrenzte Wirksamkeit
haben. Bei Eis- und Reifglätte sind sie nahezu wirkungslos, weil die
Splittkörner von den Fahrzeugen schon nach kurzer Zeit an den
Fahrbahnrand befördert werden.
Eine Schweizer Untersuchung zeigt, dass
abstumpfende Streumittel Streusalz nicht nur hinsichtlich der
Gesamtkosten - Splitstreuung ist um das sechsfache, in strengen
Wintern sogar um das zehnfache teurer als Salzstreuung - sondern auch
in der Ökobilanz unterlegen ist.
4. Maßnahmen / Handlungsbedarf
Für einen umweltfreundlicheren Winterdienst gelten
folgende Empfehlungen:
-
Die mechanische Schneeräumung sollte verstärkt
werden.
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Ein differenzierter Winterdienst mit verringertem
Salzeinsatz versucht, den bestmöglichen Kompromiss zwischen den
Erfordernissen der Verkehrssicherheit, der Wirtschaftlichkeit und
des Umweltschutzes zu erreichen: Nach der mechanischen Räumung kann
die Salzung auf Außerortsstraßen und stark befahrene Straßen in
Orten sowie Gefahrenstellen (starke Steigungen, verkehrsreiche
Kreuzungen, Engstellen, Brücken, Fußgängerüberwege) beschränkt
werden. Auf allen anderen Straßen empfiehlt sich grundsätzlich die
Nullstreuung, d.h. der Verzicht auf jegliches Streumittel.
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Wenn Salzstreuung erforderlich ist, sollte die
Streumenge je nach Straßenzustand, dem Wetter und dem noch
vorhandenen Restsalz angeglichen werden. Um eine größere Schädigung
der Umwelt zu vermeiden, sollte die Richtgröße von 10 g Salz/m2
nicht überschritten werden.
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Der Einsatz von anderen chemischen Auftaumitteln
wie Harnstoff, Phosphatverbindungen, Ammoniumsalzen usw. stellt aus
ökologischer Sicht keine Alternative zum Streusalz dar.
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Von Mischungen von Salz mit abstumpfenden
Streumitteln wird aus ökologischer Sicht ebenfalls abgeraten, da
diese in größeren Mengen ausgebracht werden müssen.
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Feuchtsalz ist beim Straßenwinterdienst
Trockensalz vorzuziehen, so lässt sich die Salzmenge bei gleicher
Wirkung reduzieren.
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Abstumpfende Streumittel sollten nur auf Gehwegen
und in besonderen Gebieten zum Beispiel in höheren Lagen oder dort,
wo Bäume zu schützen sind, eingesetzt werden. Produkte mit Blauem
Engel (RAL-ZU 13) sind dabei vorzuziehen.
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