Metallatom gibt die Struktur vor: neues Konzept
zur Konstruktion von Enzym-Hemmstoffen.
Komplexe Naturstoffe nehmen meist exakt definierte
räumliche Strukturen ein, die für ihre biologische Funktion von
entscheidender Bedeutung sind. So muss ein Substrat genau in die
"Tasche" eines Enzyms passen, damit es umgesetzt wird. Gleiches gilt
für Pharmaka, die die Funktion von Enzymen beeinflussen sollen. Die
große Herausforderung besteht darin, effektive Methoden zur Synthese
von Wirkstoffen mit maßgeschneiderter dreidimensionaler Gestalt zu
entwickeln. Ein britisch-amerikanisches Forscherteam um Eric Meggers
setzt dabei auf Metallatome, die den Wirkstoff in die richtige Form
bringen sollen. Mit diesem Konzept ist es ihnen nun gelungen, einen
spezifischen Inhibitor der Proteinkinase Pim-1 auf der Basis eines
Ruthenium-Komplexes zu entwickeln.
Proteinkinasen spielen eine wichtige Rolle bei
einer Vielzahl zellulärer Regelungsmechanismen. Der Naturstoff
Staurosporin ist ein wirkungsvoller Inhibitor der Klasse der
Adenosintriphosphat (ATP) abhängigen Protein Kinasen, denn er passt
genau in die ATP-Bindetasche dieser Enzyme. Meggers und sein Team von
der University of Pennsylvania (USA) und der Oxford University (UK)
nahmen die Struktur von Staurosporin als Ausgangspunkt für die
Entwicklung eines einfacher aufgebauten metallhaltigen Inhibitors.
Staurosporin besteht aus einem flachen aromatischen Ringsystem und
einem Zuckerbaustein. Die Wissenschaftler ersetzten den Zucker durch
ein Rutheniumatom mit zwei Liganden. Das Ringsystem, das leicht
variiert wurde, bindet ebenfalls als Ligand an das Ruthenium. Wie eine
Klammer umspannt es das Metall von zwei Seiten. Durch geschickte Wahl
der beiden anderen Liganden - Kohlenmonoxid und ein aromatischer
Fünfring - gelang es den Forschern, ihren Ruthenium-Komplex so zu
gestalten, dass er die räumliche Gestalt von Staurosporin nachahmt und
ebenfalls in die ATP-Bindetasche passt.
Der neue Ruthenium-Komplex kann in zwei Varianten
vorliegen, die wie Bild und Spiegelbild aufgebaut sind. Tests mit mehr
als 50 verschiedenen Kinasen ergaben, dass die "linke" Variante ganz
spezifisch ein Enzym namens Pim-1-Kinase inhibiert - und dabei um zwei
Größenordnungen wirksamer ist als Staurosporin. Die Pim-1-Kinase ist
an der Regulation der Zellteilung beteiligt. Ihre Hemmung könnte sich
bei der Bekämpfung bestimmter Tumore vorteilhaft auswirken.
"Das Metall ist in solchen Komplexen sehr fest
gebunden, so dass es nicht so leicht freigesetzt werden kann und daher
vermutlich nicht toxisch wirkt," betont Meggers. "Seine einzige
Aufgabe ist es, die einzelnen Liganden in der richtigen räumlichen
Anordnung zu halten. Im Vergleich zu ihren rein organischen
strukturellen Vorbildern sind metallorganische Komplexe einfacher
aufgebaut und entsprechend leichter zu synthetisieren."
Quellen und weitere Informationen:
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Publiziert am 27.01.2006
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Autor:
Eric
Meggers, University of Pennsylvania, Philadelphia (USA)