Fachhochschule Gelsenkirchen gründet Institut für biologische und
chemische Informatik
Hochschule erforscht in neuem Institut
Kürbismoleküle, Gen-Chips und neue Kleber. Mathematische Modelle
erleichtern die Forschung an Produkten der Zukunft.
Recklinghausen. Die Zukunft von Biologie, Chemie
und Medizin liegt im Kleinen: auf der Zellebene, auf der Molekülbasis.
Das betrifft beispielsweise Gen-Chips, die Krankheitserreger schneller
und genauer erkennen und so eine schnellere und genauere Behandlung
ermöglichen, etwa bei Darmkrankheiten. Oder Chips, auf denen die
Arbeit ganzer Labore ersetzt werden kann, weshalb diese Labor-Chips
auch englisch als "Lab' on a Chip" bezeichnet werden. Oder bei der
Erforschung von Eiweißmolekülen, von denen der Mensch rund 100.000
verschiedene in seinem Körper erzeugen kann und die alle anders
wirken: von der Verdauung bis zur Krankheit. Oder bei den so genannten
Kürbismolekülen, an deren Struktur andere Stoffe leicht andocken,
wodurch der Kürbis zum Transportmittel wird. Oder bei den Polymeren,
einer Molekülgruppe der organischen Chemie, die so vielfältig ist,
dass man leicht den Überblick über ihre Fähigkeiten und
Kombinationsmöglichkeiten verliert, etwa bei der Rezeptur neuer
Klebstoffe im Flugzeugbau.
Drei, die die Forschung in der biologischen und chemischen
Informatik von Recklinghausen aus vorantreiben wollen (von links
nach rechts): Prof. Dr. Sören Walter Perrey, Prof. Dr. Achim
Zielesny, Prof. Dr. Heinrich Brinck.
Foto: FHG/BL
Man könnte die Beispielserie noch lange
fortsetzen, für sie und weitere gilt: Sie haben einen gemeinsamen
Nenner. Und der heißt Computer. Nicht weil Computer sowieso und in
allen Wissenschaften wichtig und gebräuchlich sind, sondern weil
Computerprogramme viel schneller und zielgenauer als Menschen oder
Bücher Unmengen von Daten durchsuchen, sortieren, vergleichen, filtern
und darstellen können.
Und deshalb hat die Fachhochschule Gelsenkirchen in ihrem
Recklinghäuser Fachbereich für angewandte Naturwissenschaften ein
Institut gegründet, dass sich als Einrichtung für biologische und
chemische Informatik mit Rechnerprogrammen und Computerwerkzeugen für
diese neuen Produkte, Verfahren und Dienstleistungen beschäftigt. Da
werden beispielsweise Reaktionsbilder ausgewertet, um von ihnen auf
Krankheiten schließen zu können. Oder weltweit Datenbanken
durchforscht auf der Suche nach neuen Möglichkeiten für die
Klebstoffindustrie der Region Emscher-Lippe. Aber es werden auch
Rechnersimulationsprogramme geschrieben, mit denen die Studierenden in
Recklinghausen sich die Vorgänge auf molekularer Ebene besser
vorstellen können und daher besser und schneller zum Abschluss kommen.
Das Institut ist mit Beginn des Jahres 2006 an den Arbeitsstart
gegangen. Zurzeit gehören ihm die Professoren Dr. Achim Zielesny, Dr.
Sören Walter Perrey und Dr. Heinrich Brinck an. Zwei weitere
wissenschaftliche Mitarbeiter, Mirco Daniel und Rebecca Schabio,
verstärken das Team. Doch schon jetzt haben sich mehrere andere
Professoren der Hochschule zur Mitarbeit angemeldet. Einen Teil ihrer
Forschungsergebnisse wollen die Professoren für alle Welt zugänglich
veröffentlichen, um so von Recklinghausen aus die Forschungstrends in
die Welt zu tragen und mit der Welt zu diskutieren. Zum Vorteil aller.