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Der nördliche Zinnoberschwamm ist ein Pilzgeflecht, dessen
Enzyme zur Aushärtung von Proteinklebern in der Wundheilung
verwendet werden können.

Algen und andere Meeresorganismen können als natürliche
Quelle für neue Wirkstoffe in der Medizin dienen.
Fotos: Dr. Thomas Schöpke
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Die Beiträge der Greifswalder Wissenschaftler
um Prof. Ulrike Lindequist (Institut für Pharmazie) und Prof. Frieder
Schauer (Institut für Mikrobiologie) konzentrierten sich auf die Suche
nach neuen Wirkstoffen aus marinen Organismen. Dazu wurden in
Kooperation mit dem Institut für Marine Biotechnologie in Greifswald
über 300 Algen, Pilze, Muscheln, Schnecken und Würmer untersucht, aus
denen verschiedene Wirkstoffe isoliert und chemisch definiert wurden.
Die gewonnenen Substanzen wurden anschließend auf ihre Wirkung gegen
Krankheitserreger (Viren, Bakterien, Pilze), gegen Tumorzellen sowie
auf Knochenzellen (Osteoporose-Schutz), Hautzellen und verschiedene
Enzyme geprüft.
Mehrere hochaktive neue Substanzen aus marinen Organismen konnten
dabei entdeckt werden. Diese wurden daraufhin in Rostock analysiert,
nachsynthetisiert und in größeren Mengen hergestellt. In Greifswald
erfolgte gleichzeitig die Charakterisierung der Wirkungsmechanismen
und die weitere Variierung der Struktur. Im Rahmen des
Forschungsprojektes konnte auf diesem Weg ein neues, international
patentiertes Verfahren entwickelt werden, bei dem Enzyme aus
holzzerstörenden Pilzen (Zinnoberschwamm - Pycnoporus cinnabarinus)
zum Einsatz kommen. Ein erstes Präparat zur speziellen Anwendung auf
der Haut steht kurz vor der Markteinführung.
Darüber hinaus wurde eine neue Technologie zur Herstellung eines
biologisch abbaubaren Proteinklebers entwickelt, der dem sehr
wirksamen Klebstoff der Miesmuschel nachempfunden ist. Der
Proteinkleber ist im Grunde selbst kein marines Produkt. Aber er wurde
der Natur "abgeschaut", indem ähnliche Proteinanteile, wie sie in den
Klebstoffen der Miesmuscheln (die sehr fest am Holz anhaften können)
vorkommen, im Labor nachsynthetisiert wurden. Er ist also eine
künstliche und vereinfachte Version eines natürlichen marinen
Produktes, des Muschelklebers. Die im Labor künstlich produzierten
Peptide (Peptid = organische Verbindung aus Aminosäuren) haben aber im
Vergleich zu den originalen Muschelklebern zunächst noch eine zu
geringe Klebkraft. Diese wird dann erst durch den Einsatz von Enzymen
aus den holzzerstörenden Pilzen (Zinnoberschwamm oder aus der
Schmetterlings-Tramete), die zu einer weiteren Vernetzung der Peptide
führen, deutlich erhöht. Der neue Proteinkleber soll nach einer
Verträglichkeitsprüfung schon bald für das Verheilen von inneren
Wunden nach chirurgischen Eingriffen oder von verletzten Knochenteilen
eingesetzt werden.
Das Forschungsprojekt führte nicht nur zur Entwicklung neuer
innovativer Produkte aus regenerativen Biomaterialien. Durch
Ausgründung von zwei Firmen, der amplius GmbH und der Baltic Analytics
GmbH i. G., konnten zehn hochwertige Arbeitsplätze geschaffen werden.
Zusätzliche Stellenkapazitäten wurden am Institut für Marine
Biotechnologie Greifswald und am Center for Life Science Automation,
Celisca Rostock, eingerichtet. Damit wurde ein solides Fundament
gelegt, um die wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der marinen
Biotechnologie fortsetzen zu können.
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