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Neuartige Metallverbindungen für biologische
Untersuchungen
Die untersuchten Verbindungen zeichnen sich dadurch
aus, dass sie eine direkte Bindung zwischen dem Metall (z. B. Eisen,
Kobalt oder Ruthenium) und mindestens einem Kohlenstoffatom besitzen;
sie werden deshalb als "Organometallverbindungen" klassifiziert.
"Viele Chemiker würden diese Art Verbindung wahrscheinlich als
ungeeignet für biologische Untersuchungen ansehen, weil sie gemeinhin
als sehr reaktiv und instabil gegen Luft und Wasser gelten", erklärt
Prof. Metzler-Nolte. Vorarbeiten von Mitgliedern der Forschergruppe
zeigen aber, dass diese Annahme voreilig ist: Organometallverbindungen
könnten im Gegenteil hochinteressante neue Wirkstoffklassen
darstellen. Den Mitgliedern der neuen Forschergruppe geht es dabei vor
allem um die Entdeckung und genaue Aufklärung neuer Mechanismen der
Krebsbekämpfung, die in der Zukunft zu neuen Medikamenten führen
könnten.
Methodische Vielfalt
An dem interdisziplinären Forschungsvorhaben
arbeiten Gruppen aus Analytik, Bioanalytik, Biochemie, Organischer
Chemie, Anorganischer Chemie und Pharmazeutische Chemie zusammen. Die
insgesamt sieben Gruppen arbeiten an fünf verschiedenen Orten in
Deutschland, mit einem Schwerpunkt an der RUB (drei Teilprojekte).
Andere beteiligte Universitäten sind Berlin, Heidelberg, Köln und
Leipzig mit je einem Teilprojekt. Über den engeren Kern der sieben von
der DFG direkt geförderten Gruppen hinaus bestehen bereits weitere
Kooperationen, z. B. mit Pharmakologen und klinischen Gruppen, die
durch die Förderung der DFG in das Gesamtprojekt eingebunden werden
sollen.
Nachwuchsförderung und -austausch
"Die Bioorganometallchemie ist ein junges,
interdisziplinäres Forschungsgebiet mit großem Potential. Die
DFG-Förderung für die Forschergruppe 630 wird eine Signalwirkung haben
und weitere Initiativen, beispielsweise im europäischen
Forschungsraum, voranbringen", freut sich Prof. Metzler-Nolte über die
Bewilligung. Diesem Zweck wird auch eine Tagung zum Thema "Bioorganometallchemie"
im Sommer 2006 in Mailand dienen, deren Scientific Advisory Board
Prof. Metzler-Nolte angehört.
Junges, interdisziplinäres Forschungsgebiet
Besonderes Anliegen der Forschergruppe ist die
Nachwuchsförderung. So sind drei Nachwuchsgruppenleiter (Mit-)Antragsteller
der Forschergruppe, alle bewilligten Stellen sind für Doktoranden
vorgesehen. Auch auf den Austausch der Nachwuchsforscher legen die
Mitglieder der Gruppe besonderen Wert. Deshalb sind neben regelmäßigen
Tagungen und Symposien der Forschergruppe im Rahmen der
Zusammenarbeiten mehrmonatige Forschungszeiten in einer anderen Gruppe
geplant. "Auf diese Weise könnte zum Beispiel ein Chemiker neue
analytische Methoden oder zellbiologische Techniken erlernen",
erläutert Prof. Metzler-Nolte. Eine solche Interdisziplinarität
zeichne viele innovative Forschungsansätze aus und werde von
Arbeitgebern in der Industrie immer mehr gefordert. "Die
Forschergruppe 630 stellt eine wichtige Initiative an der
Schnittfläche zwischen Chemie, Biologie und Biomedizin dar", so Prof.
Metzler-Nolte.
Prof. Metzler-Nolte bringt "Mitgift" nach Bochum
Prof. Metzler-Nolte bringt die Forschergruppe aus
Heidelberg mit nach Bochum: Während der Antrag von der DFG bearbeitet
wurde, nahm er einen Ruf auf den Lehrstuhl Anorganische Chemie der RUB
an. Zuvor arbeitete der 38-Jährige seit 2000 an der Universität
Heidelberg und war maßgeblich am Umbau des Instituts für Pharmazie und
Molekulare Biotechnologie in ein interdisziplinäres Zentrum für
Wirkstoffforschung mit den Studiengängen Pharmazie und Molekulare
Biotechnologie beteiligt. Metzler-Nolte, der in Hamburg geboren wurde
und dort sein Studium begann, ging als Student nach Freiburg und
München, wo er 1994 promoviert wurde. Nach einem Postdoc-Aufenthalt in
Oxford war er ab 1996 Nachwuchsgruppenleiter am Max-Planck-Institut
für Strahlenchemie in Mülheim/Ruhr (heute: MPI für Bioanorganische
Chemie). Er hielt regelmäßig Vorlesungen und Seminare an der RUB und
habilitierte sich hier 2000 für das Fach Anorganische Chemie. Der
Gewinner mehrerer Stipendien und Preise war im Sommer 2002
Gastprofessor an der Universität Mailand, ist Vertrauensdozent der
Friedrich-Ebert-Stiftung und Mitglied im Auswahlausschuss der
Stiftung. Nils Metzler-Nolte ist verheiratet und hat drei Kinder. |