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Der Parlamentarische Staatssekretär im
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Thomas Rachel,
bezeichnete die Kooperation des Forschungszentrums Jülich mit der
Technischen Universität München als wegweisend. "Die Wissenschaft in
Deutschland profitiert von der engen Kooperation universitärer mit
außeruniversitärer Forschung." Das BMBF fördert das neue Zentrum mit
rund 6 Millionen Euro, zu denen in der Aufbauphase nochmals rund 18
Millionen Euro an Sachmittelinvestitionen hinzukommen.
Neutronen sind elektrisch neutrale Bausteine der
Atomkerne. Neutronenstrahlen werden in Forschungsreaktoren oder
Spallationsquellen erzeugt und in speziellen Geräten, so genannten "Diffraktometern"
und "Spektrometern", auf die zu untersuchenden Proben gelenkt. An den
Atomen und Molekülen der Proben "prallen" sie ab; dabei können sie
ihre Richtung und Geschwindigkeit ändern. Die Art dieser "Streuung"
gibt Auskunft über die Anordnung und Bewegung der Atome in der Probe.
Als kleine Elementarmagnete können Neutronen auch die
Magnetfeldverteilung innerhalb einer Probe bestimmen helfen. Lernt man
auf diese Weise die innere Struktur der Materie kennen, so lassen sich
Werkstoffe mit bestimmten gewünschten Eigenschaften herstellen.
Neutronen ermöglichen auch besonders empfindliche Stoffanalysen, zum
Beispiel den Nachweis von Spurenstoffen in der Umweltforschung. Dazu
Prof. Dr. Joachim Treusch, der Vorstandsvorsitzende des
Forschungszentrums Jülich: "Neutronen sind heute aus der Wissenschaft
- von der Grundlagenforschung bis zur anwendungsnahen Forschung in den
Werkstoffwissenschaften, Biologie oder Medizin - nicht mehr
wegzudenken."
Für seine vielfältigen Forschungsaufgaben betreibt
das Zentrum seit November 1962 den Forschungsreaktor FRJ-2 vom Typ
DIDO. Wegen seines hohen Neutronenflusses und seiner einmaligen
Instrumentierung wird der FRJ-2 von vielen deutschen und
internationalen Wissenschaftlern zahlreicher Disziplinen genutzt. Der
FRJ-2 wird Ende April dieses Jahres für immer abgeschaltet. Das
Jülicher Institut für Festkörperforschung als intensiver Nutzer dieser
Neutronenquelle plant daher schon seit langem eine Neuorientierung
seiner Arbeit. Prof. Dieter Richter, Direktor am Institut für
Festkörperforschung, beschreibt den Wendepunkt so: "Hinter uns liegen
44 erfolgreiche Betriebsjahre mit dem Jülicher Reaktor. Aus dieser
Zeit stammen wertvolle Forschungsergebnisse, aber auch anwendungsnahe
Produkte, wie die Additive für Dieselkraftstoff oder Tenside mit
besserer Waschkraft. Unsere Zukunft liegt bei der Arbeit an externen
Neutronenquellen, nämlich am neuen Forschungsreaktor FRM II in
Garching, an der Spallationsneutronenquelle in Oak Ridge (Tennessee,
USA) und am Höchstflussreaktor im französischen Grenoble."
Die Arbeiten der Jülicher Neutronenforscher
konzentrieren sich auf die so genannte "Weiche Materie" und auf den
Magnetismus. Dazu verfügen die Wissenschaftler über hochmoderne Geräte
und Methoden, die es weiterzuentwickeln gilt.
Das Jülich Centre for Neutron Science wird dazu
eine Außenstelle am neuen Münchner Forschungsreaktor "München II (FRM
II)" einrichten. An dieser weltweit modernsten Neutronenquelle werden
insgesamt rund 30 Mitarbeiter (Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker,
Verwaltungsangestellte) in einem eigens errichteten Gebäude vor Ort
arbeiten. In der neuen Forschungsstation am FRM-II werden die Jülicher
Wissenschaftler acht eigene Instrumente betreiben. Diese Instrumente
mit einem Wert von 45 Millionen Euro werden nach Abschaltung des DIDO
von Jülich nach München transferiert. Durch dieses Engagement wird der
Garchinger Reaktor zu einer nationalen Einrichtung.
Darüber hinaus betreiben die Jülicher
Neutronenforscher in Zusammenarbeit mit französischen Kollegen große
Geräte am Höchstflussreaktor des Instituts Max von Laue - Paul
Langevin in Grenoble. Die nächste Generation so genannter "Spinecho-Spektrometer"
wird vom JCNS an der im Bau befindlichen Spallationsneutronenquelle in
Oak Ridge gebaut. |