|
Sprecher von Nanohale ist Professor Dr. Thomas
Kissel, Direktor des Instituts für Pharmazeutische Technologie und
Biopharmazie der Philipps-Universität. Stellvertretender Sprecher ist
Professor Dr. Andreas Greiner vom Marburger Fachbereich Chemie. Die
medizinischen Projekte werden am Lungenzentrum Gießen (University of
Giessen Lung Center, UGLC) durchgeführt. Toxikologische Aspekte der
Nanotechnologie untersuchen Wissenschaftler des GSF -
Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in München.
Im Förderzeitraum, der sich zunächst über drei
Jahre erstreckt, wollen die Nanohale-Forscher neue Ansätze für die
Lungentherapie eröffnen. Ihr Ziel sind "Medikamente zum Einatmen".
Hierfür sollen neue Trägersysteme ("Carrier") entwickelt werden, die,
mit Wirkstoffen beladen, dann vom Patienten eingeatmet werden können.
"Nicht die Wirkstoffe selbst sind neu", erklärt Kissel, "vielmehr geht
es darum, dass wir mittels geeigneter Trägermaterialien ihre zeitliche
und räumliche Verteilung direkt vor Ort in der Lunge steuern können."
Hierzu wollen die Forscher Nanoobjekte mit verschiedensten
Eigenschaften entwickeln: Partikel, Fasern, Röhren und Molekülkomplexe
im Nanoformat sollen abhängig von ihrer Zusammensetzung, Struktur und
Dimension auf jeweils spezifische Art mit den Gewebezellen in der
Lunge wechselwirken, um dort ihre Medikamentenfracht abzugeben.
Während normalerweise die menschliche Blutbahn als
Träger von Wirkstoffen genutzt wird, kann ein solches "Drug Targeting"
die Wirkungsweise von Medikamenten entscheidend verbessern, erklärt
Kissel: "Insbesondere die Lunge als 'direkt' zugängliches Organ bietet
sich für diese Vorgehensweise an." Mit Nanohale wollen die Marburger,
Gießener und Münchener Forscher auch eine Lücke in der deutschen
Forschungslandschaft schließen. "Während die USA und Japan das Drug
Targeting bereits sehr stark fördern, ist die Schnittstelle zwischen
Nanomaterialien und deren medizinischer Anwendung in Deutschland noch
wenig untersucht", unterstreicht Professor Dr. Dr. Friedrich
Grimminger vom Lungenzentrum Gießen die Bedeutung der
DFG-Forschergruppe. Nanohale ist der derzeit größte deutsche
Forschungsverbund, der sich diesem Thema widmet.
Die neue Forschergruppe setzt sich aus
Grundlagenwissenschaftlern, Pharmazeuten, Medizinern und
Materialwissenschaftlern zusammen. Neben Thomas Kissel und Andreas
Greiner werden die Arbeitsgruppen von den Marburger Wissenschaftlern
Professor Dr. Joachim H. Wendorff (Fachbereich Chemie), Professor Dr.
Udo Bakowsky (Fachbereich Pharmazie), Professor Dr. Frank Czubayko
(Fachbereich Medizin), von den Gießener Medizinprofessoren Dr. Dr.
Friedrich Grimminger und Dr. Werner Seeger sowie von Professor Dr.
Holger Schulz vom GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
geleitet.
"Bei unserem Projekt kommt es nun darauf an", so
Kissel, "zunächst den 'idealen Nanoträger' zu entwickeln." Ein solcher
muss unter anderem mit einer möglichst großen Wirkstoffmenge beladen
werden können. Außerdem muss er verschiedene intra- und extrazelluläre
Barrieren überwinden und soll vom Organismus schließlich schnell
wieder abgebaut werden, sodass sich allein der Wirkstoff im Zellgewebe
ablagert. Etwa in drei Jahren, so schätzt der Pharmakologe und
Nanowissenschaftler, "können wir die Nanoträger dann auch im
Tiermodell testen." |