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Zuckerverbindungen, die so genannten
Oligosaccharide, sind beim Wachstum und der Wiederherstellung von
erkranktem Gewebe, beim Eindringen von Bakterien und Viren und sogar
beim Wachstum von Tumorzellen beteiligt. Wie Wächter auf der
Zellmembran angesiedelt, können sie eine Vielzahl anderer Moleküle
erkennen, Signale weiterleiten und mit anderen Zellen kommunizieren.
So können Moleküle an die jeweils passende Struktur andocken und dann
zum Beispiel die Membran passieren oder ganze Zellen verbinden.
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Prinzip der
Herstellung und Nutzung des Glycochips- Bild: TU Braunschweig - J.
Seibel |
Wenn es gelingt, die wichtigsten Verbindungen
ausfindig zu machen und im Labor herzustellen (zu synthetisieren),
können daraus in ferner Zukunft neuartige Wirkstoffe, etwa zur
Bekämpfung von Infektionskrankheiten, bei der Wundheilung oder in der
Krebstherapie entstehen. Das Glycom, die Gesamtheit aller
Zuckerverbindungen in einem Lebewesen, ist daher von hoher
medizinischer Bedeutung. Doch bislang ist noch wenig bekannt, welche
Funktion einzelne Kohlenhydrate im Körper ausüben.
Dr. Jürgen Seibel, Nachwuchsgruppenleiter am
Institut für Technische Chemie der TU Braunschweig, will dem abhelfen:
Mit seinem Team hat er den "Glycochip" (Kohlenhydratarray) entwickelt,
ein neues Werkzeug, mit dem Oligosaccharide aufgebaut und deren
Struktur und Wirkung entschlüsselt werden können. Glycochips werden
erzeugt, indem an Kunststoff- oder Glasoberflächen räumlich
voneinander getrennt Peptid-, Alkohol- oder Kohlenhydratmoleküle
befestigt werden. Mit Hilfe von Enzymen werden diese Oberflächen dann
"verzuckert", eine komplexe Kohlenhydratmatrix wird aufgebaut. "Diese
Matrix dient als Sensor, um Wechselwirkungen zum Beispiel mit
bakteriellen Giften, mit Viren oder gar Tumorzellen aufzudecken", so
Seibel.
"Zurzeit betrachtet die Forschung die Vorgänge
innerhalb einer Zelle vor allem vor dem Hintergrund dessen, was wir
über das Erbgut - das Genom - und die Proteinstrukturen wissen. Aber
zu einem beträchtlichen Teil regeln auch komplexe Zuckerstrukturen die
Kommunikation der Zellen untereinander. Uns fehlten bislang geeignete
Werkzeuge, um solche Zucker schnell herzustellen und deren
Wechselwirkungen zeitnah identifizieren zu können", erläutert Seibel.
"Mit dem Glycochip können wir jetzt schnelle Rückschlüsse auf ihre
Funktion - also den "Zuckercode" - und somit auf ihren medizinischen
Einsatz ziehen."
Möglich wurden diese Ergebnisse und der Glycochip
im Rahmen des Sonderforschungsbereichs "Vom Gen zum Produkt" (SFB 578)
an der TU Braunschweig.
Über den Sonderforschungsbereich 578 "Vom Gen zum
Produkt":
Im Mittelpunkt des Sonderforschungsbereichs 578
stehen die Entwicklung und Herstellung von pharmazeutisch aktiven
Produkten mithilfe molekularbiologischer und verfahrenstechnischer
Prozesse. Molekularbiologisches, mikrobiologisches, biotechnologisches
und biochemisches sowie verfahrenstechnisches Wissen wird dabei
interdisziplinär zusammengeführt. Zu dem SFB und dessen Hintergrund
ist ein Leitartikel in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift
"Nachrichten aus der Chemie" (Band 57, Heft 02, S.110) erschienen. |