|
Die Studie weist unter Berücksichtigung von Rauchen
und Unsicherheiten in der Abschätzung der Radonkonzentration eine
statistisch signifikante Erhöhung des Lungenkrebsrisikos um 16 Prozent
bei einer Zunahme der Radonkonzentration um 100 Becquerel pro
Kubikmeter (Bq/m3) Raumluft nach. Der Zusammenhang ist
annähernd linear. Es gibt keinen Hinweis auf einen Wert, unterhalb
dessen kein Risiko auftritt.
Die Wahrscheinlichkeit bis zum Alter von 75 Jahren
an Lungenkrebs tödlich zu erkranken stellt sich wie folgt dar: Bei
einer Radonkonzentration von 0, 100 und 400 Bq/m3 für
Nichtraucher vier, fünf bzw. sieben von 1000 Personen.
Weiterhin wird beobachtet, dass Personen, die Räume
mit Radonkonzentrationen zwischen 100 und 200 Bq/m3
Raumluft bewohnen, ein um 20 Prozent höheres Lungenkrebsrisiko haben,
als Personen, die in Räumen mit Werten unterhalb von 100 Bq/m3
leben. Somit liegt ein statistisch signifikant erhöhtes
Lungenkrebsrisiko selbst unterhalb der Radonkonzentrationen von 200
Bq/m3 vor. Weiss: "International werden derzeit aber erst
oberhalb dieses Wertes Sanierungsmaßnahmen zur Radonverminderung
empfohlen".
Das BfS hat ein Konzept für Strahlenschutzmaßnahmen
zur Verminderung der Strahlenexposition durch Radon in
Aufenthaltsräumen entwickelt und vorgestellt. Diese sehen bei
Neubauten einen Wert von 100 Bq/m3 Raumluft vor. Wolfgang
Weiss fordert daher: "Es muss das Ziel sein, diesen Wert in
Aufenthaltsräumen sicher zu unterschreiten. Dies kann durch geeignete,
oft sehr einfache und wenig aufwändige bauliche Maßnahmen erreicht
werden." Die Kosten liegen bei Neubauten in vielen Fällen bei maximal
2.000 EURO für ein Haus mit 100 m2 Grundfläche. Das
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
wird deshalb in Kürze einen Gesetzentwurf für ein Radonschutzgesetz
mit einem Zielwert von 100 Bq/m3 Raumluft vorlegen.
Lungenkrebsrisiko Nr. 1 bleibt das Rauchen.
Besonders gefährlich ist die kombinierte Wirkung von Radon und
Rauchen. Bei den Rauchern erkranken bei einer Radonkonzentration von
0, 100 und 400 Bq/m3 100, 116 bzw. 160 von 1.000 Personen.
Hintergrund:
Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das
beim spontanen radioaktiven Zerfall von Uran entsteht und praktisch
überall in unterschiedlichen Konzentrationen vorkommt. Die Höhe der
Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen hängt neben den geologischen
Bedingungen von einer Vielzahl von Faktoren ab (Dichtigkeit des
Fundaments, Lüftungsgewohnheiten, etc.). Sie kann nur durch Messung
zuverlässig ermittelt werden. Bereits mit einfachen Maßnahmen wie
Wandabdichtungen oder zusätzlicher Belüftung kann die
Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen erheblich reduziert werden. Am
nachhaltigsten und kostengünstigsten sind Maßnahmen zur
Radonverminderung, wenn diese bereits beim Neubau von Häusern
ergriffen werden. |