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Projektleiter Professor Wolfgang Dekant: "Wir
wollen ein Testsystem entwickeln, mit dem sich frühzeitig feststellen
lässt, ob aus potenziellen neuen Arzneistoffen reaktive Substanzen
entstehen oder ob sie den Organismus dazu veranlassen, reaktive
Substanzen zu bilden." Mit reaktiven Substanzen meint der Würzburger
Toxikologe Stoffe, die den Körper schädigen. Sie können etwa dann
entstehen, wenn ein an sich harmloses Medikament in der Leber umgebaut
wird und dabei beispielsweise eine krebserregende Substanz
herauskommt.
Solche Schadstoffe wollen die Würzburger Forscher
nicht direkt aufspüren. Stattdessen konzentrieren sie sich auf das,
was die Stoffe anrichten. Das Gas Ozon beispielsweise zerstört die
Zellen des Körpers und hinterlässt dabei eindeutige Spuren in Form von
Zelltrümmern. "Solche Abbauprodukte von Zellen wollen wir als
Biomarker benutzen, um die Wirkung von Schadstoffen nachzuweisen",
sagt Dekant. Die Analysen sollen im Reagenzglas genauso funktionieren
wie an Blut- und Urinproben.
Bei diesem Projekt geht es nicht nur um
Medikamente, sondern auch um die Auswirkungen der Nahrung auf den
Körper: Was bedeuten mit dem Essen aufgenommene Stoffe aus
toxikologischer Sicht, gleichgültig ob es sich um rein biologische
Pflanzeninhaltsstoffe oder um nachträglich hinzugefügte
Ergänzungsstoffe handelt? Beispiel: Vitaminen und anderen
Pflanzenstoffen aus der Gruppe der Antioxidantien wird eine
Schutzwirkung auf den Körper zugesprochen. "Im Reagenzglas ist
eindeutig nachgewiesen, dass Antioxidantien reaktive Stoffe
entschärfen können, die für die Auslösung verschiedenster Krankheiten
bis hin zu Krebs mit verantwortlich sind", so Dekant. Ob diese
Wohltäter ihren Job im Körper des Menschen genau so gut erledigen, ist
allerdings nicht bewiesen. Auch diese offene Frage wollen die
Würzburger Toxikologen angehen und mit Hilfe von Biomarkern die
Wirkung verschiedener Nahrungsstoffe beurteilen.
Bei diesem Projekt werden die Arbeitsgruppen von
Professor Dekant und Dr. Wolfgang Völkel, die beide am Würzburger
Lehrstuhl für Toxikologie tätig sind, von der Firma Hoffmann-La Roche
(Basel) gefördert. Das Unternehmen finanziert drei Jahre lang die
Stellen für zwei Wissenschaftler, die unter der Federführung von
Völkel Biomarker zum Nachweis toxischer Wechselwirkungen finden
sollen. Hierfür verwenden die Forscher auch so genannte
Hochleistungsmassenspektrometer. Dabei handelt es sich um eine Art
Molekülwaage, mit der sich noch geringste Stoffspuren - im Bereich
eines Billionstel Gramms - nachweisen lassen. |