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"Wir glauben, dass der Rezeptor für diese
Umweltgifte normalerweise eine andere, wichtige Funktion in den Zellen
ausübt und darin durch Dioxin und dioxinartig wirksame Stoffe
gehindert wird", erklärt Oesch-Bartlomowicz. Die Studie wurde in dem
hochrangigen Journal Proceedings of the National Academy of Sciences -
USA (102, 9218-9223, 2005) veröffentlicht und von Nature Chemical
Biology im August 2005 als "Research Highlight" ausgewählt (Nature
Chemical Biology 1, 129, 2005).
Umweltgifte wie PAK - im Zigarettenrauch enthalten
und auch durch den Sanierungsbedarf bei Parkettfußböden bekannt
geworden - und die sehr giftigen Dioxine und Dibenzofurane gelangen in
die Zelle und treffen dort im Zytoplasma auf den Dioxin-Rezeptor.
Dieser Rezeptor ist ein Protein, das diese Fremdstoffe erkennt, sie an
sich bindet und mit ihnen zusammen zum Zellkern wandert. Dort löst der
Komplex über die Aktivierung verschiedener Gene Prozesse aus, die
beispielsweise auch zu Krebserkrankungen führen. Dieser Ablauf war
bisher schon bekannt. Das Forschungsteam um Oesch-Bartlomowicz hat
jedoch noch eine ganz andere Funktion des Dioxin-Rezeptors entdeckt.
Die Forscher gingen von der Frage aus, was den
Dioxin-Rezeptor aktiviert, wenn es in der Zelle keine toxischen Stoffe
gibt. Sie fanden heraus, dass der Dioxin-Rezeptor auch durch eine
Erhöhung des körpereigenen Botenstoffs cAMP veranlasst wird, in den
Zellkern zu wandern. "Das ist eine kleine Sensation, weil damit
zumindest sehr wahrscheinlich die eigentliche, physiologische Rolle
des Dioxin-Rezeptors erkannt wurde", erläutert die Medizinerin. Es
findet also unter normalen Bedingungen eine endogene, d.h.
körpereigene Aktivierung des Dioxin-Rezeptors statt. Diese wird durch
zahlreiche Prozesse wie die Ausschüttung bestimmter Hormone oder die
Anregung durch bestimmte Neurotransmitter und auch durch
Prostaglandine ausgelöst. Dass dieser "normale" Weg durch das
Eindringen von Giftstoffen stark und lange andauernd gestört wird
(Dioxin verbleibt für mehr als 10 Jahre im menschlichen Organismus),
trägt sicherlich wesentlich zur Toxizität dieser Stoffe bei und
könnte, so die Vermutung der Wissenschaftler, die Hauptursache für
deren außerordentlich potente Toxizität sein. |