|
Luftbelastung und gesundheitliche Bedeutung
Laut Medienangaben sind bei dem Großbrand 20 Tanks
zu je etwa 12,5 Millionen Liter Treibstoff in Brand geraten. Bei der
Verbrennung von Erdöl und seinen Produkten entstehen primäre und
sekundäre Verbrennungsprodukte, die in die Umgebungsluft emittiert
werden. Zu den wichtigsten primär entstehenden Substanzen zählen
Kohlendioxid und Kohlenmonoxid. Letzteres Gas kann in hohen
Konzentrationen zu akuten Vergiftungssymptomen führen.
Bei den sekundär entstehenden Verbrennungsprodukten
sind vor allem die aus der unvollständigen Verbrennung von Relevanz,
an erster Stelle die polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe,
kurz PAK. Sie lagern sich an die ebenfalls in großen Mengen gebildeten
Rußpartikel an und werden in der Atmosphäre je nach meteorologischen
Verhältnissen weitertransportiert. Dabei finden im Zusammenspiel mit
anderen, in der Atmosphäre vorkommenden Molekülen, wie z.B. Ozon,
vielfältige Ab- und Umbauprozesse statt.
Ein Großteil der in der Atmosphäre
weitertransportierten Rußpartikel und der an sie angelagerten
Substanzen werden über den Niederschlag ausgewaschen und lagern sich
auf dem Boden bzw. auf Vegetation ab. Mikroorganismen bauen die
organischen Bestandteile zum großen Teil zu unschädlichen
Stoffwechselprodukten ab.
Es ist davon auszugehen, dass außer dem Tankinhalt
auch die Tankanlagen und damit einhergehend elektrische Leitungen,
Kunststoffteile und anderes Opfer des Brandes wurden. Daher werden
aller Wahrscheinlichkeit nach auch langlebigere Substanzen wie
fluorierte oder bromierte Verbindungen freigesetzt. Auch sie lagern
sich an Partikel an, werden in der Atmosphäre weitertransportiert und
mit dem Niederschlag ausgefällt. Sicher spielen die freigesetzten
Mengen im Vergleich zu PAK und Ruß nicht die ausschlaggebende Rolle,
allerdings erfolgt der Abbau dieser persistenten Verbindungen im Boden
erst in sehr viel längeren Zeiträumen als dies bei den PAK der Fall
ist und kann daher auch langfristig für das Grundwasser Bedeutung
haben.
Rußpartikel gehören mit einem Größenspektrum von 10
bis 0,01 Mikrometer zur Fraktion der feinen und ultrafeinen Partikel.
Für die menschliche Gesundheit sind die daher von besonderer
Bedeutung. Bereits bei den Konzentrationen, wie sie verkehrsbedingt in
deutschen Städten gemessen werden, werden bestehende Grenzwerte immer
wieder überschritten. Dokumentierte Gesundheitseffekte kurzzeitig
erhöhter Partikelbelastung reichen von vermehrten Krankenhausaufnahmen
und Arztbesuchen wegen Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen bis
hin zu Veränderungen verschiedener Parameter des
Herz-Kreislauf-Systems und der Atemwege. Epidemiologische Studien
belegen zudem, dass an Tagen mit erhöhter Partikelkonzentration auch
bei Asthmapatienten vermehrt Symptome auftreten.
Viele der an den Rußpartikeln haftenden PAK, wie
etwa ihre Leitsubstanz Benz-a-pyren, sind als krebserzeugend
eingestuft. Eine kurzzeitig erhöhte Belastung durch Einatmen
PAK-behafteter Partikel erhöht aber das Lebenszeitrisiko, an Krebs zu
erkranken, allenfalls geringfügig und tritt damit etwa im Vergleich zu
einer dauerhaften Belastung aus anderen Quellen wie dem Verkehr oder
dem Tabakrauch in den Hintergrund.
Ein weiteres mögliches Risiko für Umwelt und
Gesundheit könnte bei dem Großbrand von den Löschmitteln ausgehen, die
für die Bekämpfung des Großbrandes verwendet wurden. Im Regelfall
sorgen zwar entsprechende Löschwasserrückhaltebecken dafür, dass mit
Chemikalien belastetes Löschwasser nicht in die Umwelt gelangt. Sollte
dies im Falle eines Großbrandes dieses Ausmaßes nicht gewährleistet
sein, besteht das Risiko, dass kontaminiertes Löschwasser in den Boden
der nahen Umgebung sickert. Am kritischsten einzustufen wäre in diesem
Fall eine Verwendung von Vertretern der Substanzklasse der
Perfluortenside (PFT) als Löschzusatz. Erst im Jahr 2001 erfolgte
erstmalig der Nachweis verschiedener PFT-Verbindungen im menschlichen
Blut, tierexperimentelle Studien und Daten aus dem Arbeitsbereich
deuten auf kanzerogene Wirkungen zumindest eines Vertreters dieser
Substanzgruppe, dem PFOS, hin. Großbritannien als EU-Mitgliedsstaat
hat in 2004 bereits den Vorschlag gemacht, die Verwendung von PFOS
einzustellen.
PFT, aber auch andere gängige Tensidverbindungen
haben zudem den unangenehmen "Nebeneffekt", dass sie andere
brandrelevante Schadstoffe wie etwa die erwähnten PAK leichter löslich
machen. Diese könnten dadurch in tiefere Bodenhorizonte transportiert
werden und damit langfristig eine Gefahr für das Grundwasser
darstellen. |