Viele Jahre lang wurde Methylbromid in der Begasung
von Objekten und Waren insbesondere im landwirtschaftlichen Bereich
eingesetzt. Besonders die Erdbeer- und Tomatenproduzenten setzen auf
die Substanz als effektives Pestizid. Seit 1987 hatten zahlreiche der
insgesamt 160 Vertragsparteien immer wieder um Verlängerungen und
Ausnahmeregelungen für die Anwendung von Methylbromid ersucht.
Darunter auch Australien und Japan. Allerdings erwarten Experten, dass
die USA auch für das kommende Jahr wieder um Verlängerung ansuchen
wird. Allein 2005 haben die USA allein, mehr als alle anderen Staaten
zusammen vom Pestizid verbraucht. Die Substanz gilt unter Chemikern
als Ozonkiller.
"Das ist der erste ernste Versuch, um aus dem
Vertrag auszusteigen", argumentiert David Doniger, Direktor vom
Natural Resources Defense Council NRDC in Washington DC. Doniger
bereitet gerade eine Klage gegen die US-Environmental Protection
Agency wegen Nichteinwilligung in Teile des Abkommens vor, berichtet
die Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature. Hingegen
argumentieren die Bauernorganisationen damit, dass die wertvollen
Ernten den Gebrauch von Methylbromid rechtfertigen. Ein perfektes
Substitut fehle bis jetzt, meint James Elkins, Physiker am NOAA-Center
in Boulder/Colorado. "Umgekehrt könnten wir eine Umkehrung der
gewünschten Treibhausgas-Emissionen gut gebrauchen", gibt der Experte
zu bedenken. Methylbromin ist ein um 45 Mal stärkeres Treibhausgas als
Chlor (Fluorchlorkohlenwasserstoffe FCKW und perfluorierte
Kohlenwasserstoffe (PFC)) verbleibt allerdings nur ein Jahr in der
Atmosphäre. Die FCKW bleiben allerdings zwischen 50 und 100 Jahre lang
dort.
"Methylbromid ist ein amerikanisches Problem",
erklärt der Chemiker Herwig Schuster von Greenpeace Österreich im
pressetext-Interview. Für Europa habe diese Substanz kaum Relevanz.
Das stimme, denn in Österreich werde die erlaubte Menge bei weitem
unterschritten, erklärt Paul Krajnik vom österreichischen
Lebensministerium gegenüber pressetext. Krajnik ist österreichischer
Delegationsleiter beim Treffen in Dakar. "Alternativen zu Methylbromid
gibt es allerdings schon. Das große Problem bei der Einführung dieser
Alternativen ist die komplizierte Anwendung der neuen Substanzen", so
der Fachmann. Die gute alte Methode des Wechselfeldanbaus reduziere
bereits die Zahl der Schädlinge räumt Krajnik ein. Ein problematischer
Punkt sei allerdings die langwierige Zulassung bei den US-Behörden.
Krajnik betont, dass seitens der EU über
Alternativen schon lange diskutiert werde, "einmal jährlich gibt es
einen Workshop zu dem Thema." Zudem sei nämlich Methylbromid auch noch
grundwasserschädlich. Der Experte betont abschließend im
pressetext-Interview, dass die EU in Dakar jedenfalls Druck auf die
USA ausüben werde, um einen raschen Ausstieg zu fordern.