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Die Sonderausstellung ist in acht Stationen
gegliedert. Gezeigt werden ausgewählte Momente aus der
Entstehungsgeschichte des chemischen Labors. Sie versinnbildlichen
Meilensteine in der Entwicklung der wissenschaftlich-praktischen
Tätigkeit.
PRAXIS-LABOR - Erst probieren, dann
Produzieren
Von Tiegeln, Probierscherben, Kupellen und
Scheidekolben
Von Phiolen, Brennkolben, Mohrenköpfen und Galeerenöfen
Die beiden ersten Stationen sind der Herausbildung
der mittelalterlichen "Probierkunst" der Hüttenleute, aber auch der
Kräuterfrauen und Destillateure gewidmet. Diese Probierkunst entstand
gemäß dem Sprichwort "Probieren geht über Studieren" als
kostengünstige Probeherstellung im kleinen Maßstab für die
handwerkliche Produktion im Großen. Diese mittelalterlichen
Produktionsstätten, die auch die Orte des Probierens waren, sind die
Urzelle des späteren Labors.
DENK-LABOR
Studieren und Reflektieren
Alchemie auf Pergament mit Tintenfass und Gänsekiel
Schon während der frühen mittelalterlichen
Entwicklungsgeschichte des chemischen Labors erfolgte eine erste
Differenzierung der Labortätigkeiten. Die alchemistischen Theoretiker
entfernten sich zunehmend von den praktizierenden Alchemisten. Das
Labor der Theoretiker wurde zum Studierzimmer, ausgerüstet mit den
damaligen Arbeitsmitteln der spekulierenden Theoretiker: Pergament,
Papier und Gänsekiel. In dieser Station können Besucher eine virtuelle
Bibliothek zum Thema "Alchemie und Chemie" besuchen.
PROBIER-LABOR
Falsche Theorie - Erfolgreiche Praxis
Von Goldsuchern und Porzellanerfindern
Der vorher präsentierten Arbeitswelt des
theoretisierenden Alchemisten ist in der vierten Station das Labor
alchemistischer Goldmacher gegenübergestellt. Es ist eine
geheimnisumwitterte Alchemistenküche, eingerichtet in schwer
zugänglichen Kellerräumen mit offener Feuerstelle und gekennzeichnet
durch verrußte Wänden und vergitterte Fenster. Diese Station erinnert
an die Dresdner Probierstätte des Goldsuchers und Porzellanfinders J.
Friedrich Böttcher (1682-1719).
WISSENSCHAFTS-LABOR
Vom Probieren zum Experimentieren
Vom Phlogiston zum Sauerstoff
Bis zum 19. Jahrhundert gab es den Beruf des
Laboranten nicht. Es waren Praktiker des chemischen Gewerbes und
Hobbychemiker mit unterschiedlichsten akademischen Ausbildungen, meist
Mediziner, Apotheker, Mathematiker, Theologen oder Juristen, die in
technisch karg ausgerüsteten Arbeitsräumen experimentierten. Doch in
dieser Entwicklungsepoche entstanden die neuen Arbeitsmittel sowie
Arbeitsmethoden, die bis in unsere Zeit das chemische Labor prägen
sollten. Es war die Zeit des großen französischen Chemikers Antoine
Lavoisier (1743-1794).
FORSCHUNGS-LABOR - Laborieren und
Produzieren
Vom Experiment zur wissenschaftlichen Nutzung
Von wirtschaftlicher Nutzung zum Experiment
Ab Mitte des 18. Jahrhunderts stand nicht mehr das
Probieren im Mittelpunkt der Laborarbeit. Statt dessen prägt das
chemische Experiment als "Erkenntnismittel moderner Wissenschaft" die
Laborarbeit. Das Labor erhielt für die handwerkliche und industrielle
Nutzung eine gesteigerte wirtschaftliche Bedeutung. So verwundert es
nicht, dass Justus Liebig (1803-1873), noch heute als "Vater der
modernen Chemie" bekannt, nicht nur Chemiker, sondern auch
Industrieller war, der eigene Chemiewerke gründete. Das Bild seines
Münchner Labors bildet den Hintergrund der sechsten
Ausstellungsstation.
Im Zuge fortschreitender Arbeitsteilung in der
stoffumwandelnden, chemischen Produktion verselbständigte sich im 19.
Jahrhundert das Betriebslaboratorium als Stätte der
Arbeitsvorbereitung. Infolge der Trennung entstand als Pendant zum
produzierenden "Blaukittler", der als nur handarbeitender Arbeiter
galt, der "Weißkittler" als denkender, im eigentlichen Sinn jedoch
experimentierender Spezialist. Das Forschungslabor trat in den Dienst
der chemischen Industrie. Die großen chemischen Werke wurden zu
Kumulationspunkten der akademischen und auch forschenden Chemiker.
Diese beiden Stationen bieten Einblicke in die
Arbeitswelt des Labors im Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhunderts. Es ist
die Geburtsstunde des uns noch heute bekannten chemischen Labors, mit
all den Glasgeräten, Bunsenbrennern und natürlich dem Reagenzglas.
Hier wird eine der umfangreichsten originalen Modellsammlung dieser
Laborarbeitsmittel von 1900 präsentiert, die den Besucher den
Einfallsreichtum und das handwerkliche Können jener Zeit vor Augen
führt.
THEORIE-LABOR
Gedankenexperiment als Laborarbeit
Erst mathematisch Probieren, dann Experimentieren
Im 20. Jahrhundert spezialisierte sich das
chemische Labor zunehmend. Diese Differenzierung des Labors,
ermöglicht durch die fortschreitende Formalisierung der
Arbeitsprozesse, führte zur Herausbildung des heutigen "Denk-Labors",
das wiederum der Arbeitsvorbereitung dient, doch jetzt der
Vorbereitung der traditionellen experimentellen Laborarbeit. Aus dem
traditionellen Labor ist heute zum einen das fast menschenleere
Untersuchungslabor für formalisierte Prozessabläufe mit
hochentwickelter Labortechnik, dem Laborroboter, geworden und zum
anderen das "Denk-Labor", das durch den verstärkten Einsatz von
Computern geprägt ist. Zum einen dokumentiert ein hier gezeigter
Videofilm die Monotonie der Roboterarbeit und zum andern können die
Besucher an einem Computer mit Hilfe moderner Programme ihre eignen
chemischen Fantasien virtuell entstehen lassen. |