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Um einen Wirkstoff gegen Krebs zu entwickeln,
berücksichtigten die Wissenschaftler dessen gesteigerten Bedarf an der
Versorgung mit Nährstoffen. Hierdurch werden die Krebszellen u. a. mit
Sauerstoff versorgt und können sich so vergrößern. Dies geschieht über
einen bestimmten Integrinrezeptor, der für das Hineinwachsen von
Blutgefäßen ("Angiogenese") in den Tumor verantwortlich ist. Der
Wirkstoff "Cilengitide", ein winziges ringförmiges Eiweißmolekül (ein
so genanntes "zyklisches Pentapeptid"), heftet sich an das Integrin an
und verhindert so die Angiogenese. In Folge wird die Blutzufuhr
abgeschnitten, der Krebs "verhungert" dadurch regelrecht und kann
keine Metastasen mehr bilden. Manche Krebszellen reagieren auf diese
Substanz sogar ganz unmittelbar und sterben ab.
Entscheidend für den erfolgreichen vorklinischen
Test war, dass es sich bei "Cilengitide" gewissermaßen um eine
Maßanfertigung handelt. Aufgrund spezieller biochemischer Prozesse und
eines ausgeklügelten molekularen Designs erkennt der Wirkstoff die
tatsächlich relevanten Integrin-Rezeptoren, verbindet sich aber nicht
mit anderen ähnlichen Rezeptoren. In einer Art Abtastung des
erforderliches Raumes ("räumliches Screening") wurden die einzelnen
Bestandteile des Moleküls immer wieder aufs neue so zusammengesetzt,
dass sie unterschiedliche Raumgestalten annahmen. So gelang es
schließlich die wirksamste Passform zu generieren.
In der ersten klinischen Studie wurden 51
Hirnturmor-Patienten, bei denen eine konventionelle Chemotherapie
nicht angeschlagen hatte, mit Cilengitide behandelt. Zwei dieser
Patienten konnten geheilt werden, bei weiteren drei trat eine
Besserung des Zustandes auf. Nach Abschluss der kürzlich begonnenen
klinischen Studie II wird über die Marktreife des Medikaments
entschieden. Die European Medicines Agency (EMEA) hat "Cilengitide"
allerdings bereits im Januar 2004 als sogenanntes "orphan drug" für
die Behandlung von Gliompatienten zugelassen. Orphan drugs dürfen noch
vor Markteinführung denjenigen Patienten verschrieben werden, für die
es ansonsten keine alternative Behandlungsmöglichkeit gibt.
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