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Der Preis, eine private Stiftung zum Andenken an
W.C. Röntgen, seinerzeit Physikprofessor in Gießen, gilt als einer der
bedeutendsten wissenschaftlichen Preise der Justus-Liebig-Universität.
Er wird jährlich für neue, hervorragende wissenschaftliche Arbeiten
und Verdienste auf dem Gebiet der strahlenphysikalischen und
strahlenbiologischen Grundlagenforschung vergeben. Auch Rudolf Ludwig
Mössbauer wurde einst damit ausgezeichnet - 1961, bevor er im selben
Jahr den Nobelpreis für Physik erhielt.
Simone Techert hat in Gießen Chemie studiert und,
nach dem Wechsel an das MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen,
1997 bei Prof. Jürgen Troe in Physikalischer Chemie promoviert. Nach
einem 2-jährigen Forschungsaufenthalt am Europäischen Synchrotron (ESRF)
in Grenoble leitet sie seit 2000 eine selbständige Nachwuchgruppe am
MPI in Göttingen. Sie ist Emmy-Noether-Forschungstipendiatin. Ihre
Arbeiten wurden bereits mit einem ESRF-internen Forscherpreis sowie
dem Karl-Winnacker Preis der Aventis Foundation prämiert.
Mit dem Röntgenpreis wurden jetzt ihre
Forschungsarbeiten zur Ultrakurzzeitdynamik organischer Festkörper
mittels zeitaufgelöster Röntgenstrukturanalyse ausgezeichnet. Mit
dieser Methode ist es möglich, den Verlauf lichtinduzierter chemischer
Reaktionen auf der Eben der kleinsten Bausteine der Materie in sehr
kleinen Zeitabständen zu fotografieren und, im übertragenen Sinne,
einen Film des Geschehens aufzunehmen. Das neue an der von ihr
maßgeblich mitentwickelten Methode liegt nicht in der Aufnahme des
Filmes an sich, sondern in der Verwendung von Röntgenstrahlung, mit
der es möglich ist, die Bewegungsabläufe des "Skeletts" von Materie,
von Atomen und Molekülen, genau zu beobachten.
Diese Methode will sie in Zukunft auch auf weitere
Gebiete der Materialwissenschaften ausweiten und unter anderem
Verfahren für die zeitaufgelöste Röntgenbeugung chemischer Systeme im
ultrakurzen Zeitbereich entwickeln, die mit zukünftigen
Röntgenquellen, wie dem Freien Elektronenlaser in Hamburg,
durchgeführt werden könnten. |