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Bonn/Berlin. Der zweite "Zwischenruf -
Umweltforschung für die politische Praxis" ist erschienen und wird in
diesen Tagen an Umweltpolitiker in ganz Deutschland verschickt. Mit
dem Zwischenruf hat die Leibniz-Gemeinschaft eine Publikationsreihe
aufgelegt, die neue Forschungsergebnisse in kompakter Form in den
politischen Willensbildungsprozess einspeisen will.
Forscher um Alfred Wiedensohler vom
Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (IfT) weisen drauf hin,
dass Feinstaub mit Teilchengrößen unter einem Mikrometer für den
Menschen sehr wahrscheinlich gefährlicher ist als größere Partikel.
Sie schlagen daher vor, die seit Januar gültige EU-Richtlinie auf
Partikel unter einem Tausendstel Millimeter zu begrenzen. Bisher
gelten die Grenzwerte für Teilchen bis zu einer Größe von 10
Mikrometer. Außerdem solle ein zweiter Massengrenzwert für Ruß
eingeführt werden. Ruß bilde nämlich im urbanen Feinstaub die größte
Gesundheitsgefahr. Die Autoren empfehlen die Stilllegung der stärksten
Rußemitter unter den LKWs und Bussen und die Minimierung von Öl- und
Kohleverbrennung beim Hausbrand.
Rainer Koschel, Horst Behrendt und Michael Hupfer
vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
warnen davor, sich in Fragen des Gewässerschutzes allein auf die
Verringerung von Schadstoffemissionen zu konzentrieren. Stattdessen
sollte die gezielte Optimierung der Struktur ökologischer Systeme
Bestandteil eines modernen Gewässerschutzes sein.
Monika Frielinghaus und Michael Sommer vom
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) fordern Bund und
Länder auf, ihre Aufmerksamkeit stärker als bisher auf einen
vorsorgenden Bodenschutz zu richten und die nachhaltige Nutzung der
begrenzten Ressource Boden zu gewährleisten. Eine wesentliche
Reduzierung des Flächenverbrauchs könnte mit dem Instrument der
sogenannten handelbaren Flächenausweisungsrechte erzielt werden.
Initiativen wie die Kampagne Boden des Jahres und die Einrichtung von
Bodenlehrpfaden sollen in der Bevölkerung die Akzeptanz für einen
bewussten Umgang mit der kostbaren Ressource Boden schaffen.
Martin Geyer und Helene Foltan vom Leibniz-Institut
für Agrartechnik Bornim (ATB) meinen, dass die Globalisierung im
Bereich der Lebensmittelproduktion und des -handels die Einführung
grenzüberschreitender Qualitätssicherungssysteme erforderlich mache.
Länderübergreifende Transparenz und Kommunikation sowie einheitliche
Grundregeln seien wichtige Voraussetzungen für zielgerichteten und
präventiv wirkenden Verbraucherschutz. Letztlich sei das Vertrauen der
Verbraucher in Lebensmittel nur durch lückenlose Kontrolle und
Rückverfolgbarkeit entlang der Produktions- und Verarbeitungskette zu
gewinnen, so die Wissenschaftler. |