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"Unseres Wissens", so Professor Ulrich Stottmeister,
Projektkoordinator und Leiter des Departments Umweltbiotechnologie am
UFZ, "ist dies das erste realisierte Beispiel, bei dem eine Altlast
derartiger Dimension auf wissenschaftlicher Grundlage und in
interdisziplinärer Zusammenarbeit von Umweltbiotechnologen, Chemikern,
Geologen, Hydrogeologen, Gewässerkundlern, Hydrobiologen sowie
Mikrobiologen gezielt einer Selbstreinigung zugeführt wurde".
Ende August 2004 wurden Ausrüstung und Technik, die
an das 1992 begonnene Forschungs- und Sanierungsprojekt "Phenolsee"
erinnern, abgebaut. Die Nachhaltigkeit des Sanierungserfolges wird
aber auch weiterhin durch UFZ-Wissenschaftler beobachtet und
dokumentiert.
Die Altlast
In unmittelbarer Nähe des Dorfes Trebnitz, einer
kleinen Gemeinde zwischen Zeitz und Weißenfels in Sachsen-Anhalt,
wurde nach der Wende eine der spektakulärsten Altlasten auf dem
Territorium der ehemaligen DDR "entdeckt". Hoch konzentrierte
phenolische Abwässer der Braunkohlen-Verschwelung des Werkes Deuben
bei Zeitz wurden zwischen 1950 und 1968 in einen ehemaligen Tagebau
geleitet. Es entstand ein See mit 2 Millionen Kubikmetern Inhalt,
einer Fläche von 9 Hektar und einer Tiefe bis zu 27 m. Der Gestank des
fast schwarzen und stark kontaminierten "Wassers" belästigte die
Anwohner und war zudem ungesund. Die Sichttiefe betrug gerade mal drei
Zentimeter, der Sauerstoffgehalt war gleich Null und
Grundwasserkontaminationen konnten nicht ausgeschlossen werden. Eine
praktikable und bezahlbare Sanierung (die Kostenschätzungen
verschiedener Firmen bewegte sich im zwei- und dreistelligen
Millionenbereich) erschien bei dieser Dimension und der Besonderheit
der Schadstoffe unmöglich - zumindest mit herkömmlicher
Sanierungstechnik.
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Wasser aus der Schwelwasserdeponie vor
und nach der Sanierung |
Das UFZ-Sanierungskonzept
Ab 1992 entwickelten Wissenschaftler des UFZ für
diese Altlast ein Sanierungskonzept, das mit finanzieller Hilfe der
LMBV (Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft) und
der Aufgeschlossenheit genehmigender Behörden des Landes
Sachsen-Anhalt verwirklicht werden konnte. Sanierungsziel: Ein
naturnahes Ökosystem, von dem keine Gefährdungen für Mensch und Umwelt
mehr ausgehen.
Die Grundidee war, in dieser hochtoxischen
Industriealtlast die natürliche Selbstreinigung zu initiieren und so
zu steuern, dass ein ungefährliches Ökosystem entsteht. Dazu sollten
die stark gehemmten und außerordentlich langsam verlaufenden
biologischen Abbauprozesse durch einfache technische Maßnahmen
unterstützt werden, denn trotz des hohen Gehaltes an giftigen
Substanzen - vorherrschend Phenole und Ammonium - war das Wasser
keineswegs biologisch tot - es wurden Mikroorganismen nachgewiesen.
Für diese Art der Sanierung verwendet man auch Begriffe wie
"ökotechnische" Sanierung oder "bioremediation", auch "enhanced
natural attenuation".
Das Sanierungskonzept sah vor, die schwer
abbaubaren huminstoffähnlichen Polymerverbindungen, die für die
Schwarzfärbung des Deponiewassers verantwortlich waren, aus dem
Wasserkörper durch eine einfache Flockung mit Eisen-III-Salzen zu
beseitigen. Setzen sich die Flocken am Seeboden ab, wird das
Deponiewasser klar und ungefärbt, gleichzeitig werden 50 Prozent der
ursprünglichen organischen Verbindungen gebunden. Steigt die
Sichttiefe auf mehrere Meter an, kann dass das Sonnenlicht besser in
die oberen Wasserschichten eindringen. Die Folge: das Wasser erwärmt
sich in Abhängigkeit von den Jahreszeiten, die Mikroorganismen werden
aktiv, der Sauerstoffgehalt in den oberen Wasserschichten nimmt durch
die Photosynthese von Algen allmählich zu.
Getestet wurde zunächst im Labor, danach folgten
Versuche in verschieden großen Maßstäben im See. Dazu nutzten die
Wissenschaftler so genannte Enclosures. Das sind unterschiedlich
große, schwimmende Folienschläuche, die als geschlossene
Experimentalgefäße im See - in situ - dienen.
Der Erfolg dieser Tests im See und die vergleichsweise niedrigen
Sanierungskosten waren für die LMBV überzeugend - sie übernahm sie die
Finanzierung (zirka sechs Millionen Euro) für die Behandlung der
gesamten Deponie. Nach Vorgaben des UFZ wurde in einer logistischen
Meisterleistung unter Nutzung spezieller Injektionstechnologien der
gesamte See geflockt (1997), neutralisiert (1997) und mit Nährstoffen
für die Mikroorganismen ergänzt (1998).
Das Gewässer heute
Bis heute ist ein belebtes naturnahes Ökosystem
entstanden, dessen Wasser gegenüber Bakterien, Algen und niederen
Wasserlebewesen - dazu zählen Räder- und Wimperntiere, Stech- und
Büschelmückenlarven sowie Zuckmücken - nicht mehr giftig ist. Diese
neue biologische Vielfalt, die sich in der sauerstoffreichen
Oberflächenzone heute nicht mehr von der eines natürlichen Sees
unterscheidet, sorgt dafür, dass nach und nach die restlichen gelösten
organischen Schadstoffe sowie der Ammoniumstickstoff abgebaut werden.
Letzterer ist die Ursache dafür, dass man auf Fische noch viele
Jahrzehnte warten muss, denn dieser ist für sie schon in sehr geringen
Konzentrationen giftig. Wasservögel hingegen haben das Ökosystem
inzwischen akzeptiert.
Für die Trebnitzer Bevölkerung geht der Erfolg des Projektes mit der
Verbesserung ihrer Lebensqualität einher. Die Freude darüber haben
zahlreiche Einwohner und ihr Bürgermeister vielfach gegenüber den
UFZ-Projektleitern Ulrich Stottmeister und Erika Weißbrodt zum
Ausdruck gebracht. |