Mit einer einzigen Fotodiode können Forscher in
ihrem Mikrospektrometer die Farben des Lichts messen - sichtbare und
unsichtbare im UV- sowie Infrarot-Bereich.
Wie ist die Atmosphäre der Sonne zusammengesetzt
oder das Gestein auf dem Mars? Welche Abgase erzeugt ein
Verbrennungsmotor? Liegt auf dem Förderband der Müllsortierungsanlage
Polystyrol oder Polypropylen? Spektrometer geben die Antwort. Mit dem
spektralen "Fingerabdruck" lassen sich Feststoffe, Flüssigkeiten und
Gase identifizieren und analysieren. Das Herzstück der meisten
Spektrometer ist ein Beugungsgitter. Anders als Prismen, die
kurzwellige violette Lichtanteile stärker ablenken als die langwellige
rote, liefern Beugungsgitter ein gleichmäßig aufgefächertes Spektrum.
Die meisten Beugungsgitter-Spektrometer lenken das erzeugte Spektrum
direkt auf eine Reihe lichtempfindlicher Elemente, die für jede Farbe
die Intensität des Signals messen. Aus der Lichtabsorption des zu
analysierenden Stoffs lässt sich auf die chemische Zusammensetzung
schließen. Für den sichtbare Bereich des Lichts gibt es bereits
preisgünstige Silizium-Dioden. Für Messungen im nahinfraroten oder
infraroten Spektrum benötigt man bisher jedoch Arrays aus mehreren
hundert Gallium-Arsenid-Detektoren, und die sind teuer.
Eine neue Lösung haben Wissenschaftler vom
Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS in Dresden
zusammen mit ihrem Industriepartner, der CTR AG in Villach,
entwickelt. Auf der Analytica in München stellen sie ein
Mikrospektrometer vor, das mit einem einzigen Detektorelement
auskommt. Kernstück der Anlage ist ein schwingender Spiegel - den
haben die Dresdner Ingenieure ursprünglich als Mikroscanner für
Barcode-Leser erdacht. Für das Mikro-Spektrometer wurde in den glatten
Scanner-Spiegel ein hochgenaues, reflektierendes Beugungsgitter geäzt.
Aus der Position des Spiegels, der sich ständig hin und her bewegt,
können die Forscher die zugehörige Wellenlänge errechnen. Auf diese
Weise lässt sich das gesamte Spektrum mit nur einem Detektor
abrastern.
Der Prototyp des neuen Spektrometers ist 165 x 110 x 80 Millimeter
klein, wiegt ein Kilo und enthält einen Prozessor, der die
Detektordaten direkt im Gerät verarbeitet. Je nach eingesetzter Diode
reicht der Detektionsbereich von ultravioletten 200 Nanometer bis in
den Nah-Infrarot-Bereich bei 2 500 Nanometer. Messungen sind bereits
beim Licht einer 20 Watt-Halogen-Lampe möglich, wobei das schnellste
Schwinggitter pro Millisekunde ein 500 Nanometer-Spektrum abtastet.
Die optische Auflösung liegt bei 5 bis 10 Nanometern und ist damit
höher als die vieler konventioneller Spektrometer.
Quellen und weitere Informationen:
-
Publiziert am 06.04.2006
-
Ein Prototyp wird auf der Messe Analytica 2006 in München Halle
A2, Stand 280 vorgestellt.