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Die Chemieindustrie geht durch einen starken
Wandel, der auch in Deutschland seine Spuren hinterlässt. Gleichwohl
wird auch in Zukunft die Chemie- und Pharmaindustrie zu den
wichtigsten Industriezweigen in Deutschland gehören. Die
Industrievertreter im Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)
äußerten sich anlässlich der letzten Vorstandssitzung zu den
Berufsperspektiven für Chemiker. Die langfristigen Perspektiven seien
gut. Auch die Einführung der neuen Bachelor- und Masterabschlüsse
wurde überwiegend begrüßt. An den Hochschulen wird die Chemie als
Basis und Querschnittswissenschaft weiterhin eine bedeutende Rolle
spielen.
"Wir betrachten die chemische Industrie als
Innovationsmotor für die gesamte Volkswirtschaft und sehen deswegen
nach wie vor sehr gute Berufsperspektiven für hochqualifizierte,
leistungsorientierte und international ausgerichtete Chemiker, nicht
nur in der chemischen Industrie, sondern auch in vielen anderen
Branchen", sagte Professor Dr. Dieter Jahn, Abteilungsdirektor bei der
BASF AG. Das Unternehmen sieht vor allem fachliche Kompetenz, Team-
und Kommunikationsfähigkeit, Führungsqualitäten, Innovationsfähigkeit
sowie Auslandserfahrung als Schlüsselqualifikationen. Die BASF-Gruppe
hat in den vergangenen Jahren in Deutschland konstant ca. 100
Naturwissenschaftler, überwiegend Chemiker, eingestellt. Die BASF
bekennt sich weiterhin bewusst zur Chemie und macht dies deutlich,
indem sie künftig in ihrem Logo "The Chemical Company" trägt.
Auch bei der Merck KGaA gibt es einen
kontinuierlichen Nachwuchsbedarf an Naturwissenschaftlern. Die
Thematik der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland sei für das
Unternehmen nicht so wichtig, da man sich mit "Spezialitäten" und
nicht mit "Commodities" befasse, sagte Dr. Jan Sombroek, für Personal
zuständiges Mitglied der Geschäftsleitung von Merck. "Als
High-Tech-Firma werden wir immer einen Bedarf an Spezialisten haben.
Allerdings brauchen wir in zunehmenden Ausmaß "Generalisten" die eine
solide Ausbildung in den Naturwissenschaften haben, ohne hierfür 16
Semester aufzuwenden." Der Anteil an Grundlagenforschung bei
gleichbleibend hohen Forschungs- und Entwicklungsbudgets werde
geringer, da die Grundlagenforschung immer mehr nach außen verlagert
werde. Es steige der Anteil der "Entwicklungs-Budgets". "In diesem
Bereich braucht man Persönlichkeiten, die vernetzt denken können",
sagte Sombroek.
Mit der im November 2003 verkündeten
Umstrukturierung (Abspaltung des "Chemiegeschäftes" als unabhängige
NewCo) hat die Bayer AG gleichzeitig für den "Rest" ein klares
Bekenntnis zur Innovation als Wachstumstreiber abgegeben. "Auf den
Feldern Gesundheit, Ernährung und neue Materialien wollen wir
innovative Produkte mit hohem Kundennutzen finden, entwickeln und
vermarkten. Bekenntnis zur Innovation bedeutet auch ein klares
Bekenntnis zu einer starken Forschung und Entwicklung (F&E), in der
Chemikerinnen und Chemiker nach wie vor eine Schlüsselrolle spielen
werden. Auf absehbare Zeit wird diese F&E auch vorwiegend an deutschen
Standorten lokalisiert sein", sagte Professor Dr. Jörg Stetter,
Direktor bei der Bayer AG. Und Professor Dr. Fred Robert Heiker,
Geschäftsführer der Bayer Innovation GmbH, ergänzte: "Für uns ist nach
wie vor der promovierte Chemiker als Laborleiter in der Forschung
unverzichtbar. Für einen Master sehen wir auch durchaus Chancen (wenn
in der Qualität dem Diplom ebenbürtig), interessant ist die
Kombination Chemie Bachelor mit Business Master. Die Berufsaussichten
reiner Bachelor-Absolventen sind z.Zt. noch schwer zu beurteilen."
Sehr gute allgemeine Fachkenntnisse, unabhängig ob
in einem Diplom- oder Masterstudiengang erworben, stehen auch bei der
Wacker-Chemie GmbH an erster Stelle des Anforderungsprofils. Natürlich
müssen die Kandidaten in einem oder mehreren Bereichen auch
tiefergehende Kenntnisse aufweisen. Sie sollten idealerweise über
Basiskenntnisse in Betriebswirtschaft verfügen und von marktrelevanten
Zusammenhängen gehört haben. Sie sollten überzeugend präsentieren
können, über Fremdsprachenkenntnisse verfügen und weltweit
einsatzbereit sein. "Exzellente Kandidaten lassen wir uns nicht
entgehen, unabhängig davon, ob gerade eine freie Stelle verfügbar ist.
Diese benötigen wir auch; denn die Grundlagenforschung wurde in den
letzten Jahre tendenziell eher verstärkt. Und von den (meisten)
deutschen Hochschulen gibt es nach wie vor exzellente Chemiker", sagte
Dr. Rudolf Staudigl, Mitglied der Wacker-Geschäftsführung.
Henkel sieht Innovationen als strategisches
Instrument und stellt dazu langfristig Ressourcen bereit. "Hinzu kommt
der Wille unserer Forscher, in der ganzen Welt mit Experten an
Hochschulen, Instituten und Firmen zu kooperieren, um eigene Produkte
und Technologien nach vorne zu bringen", sagte Dr. Wolfgang Gawrisch,
CTO Forschung/Technologie der Henkel KGaA. "Wir müssen den jungen
Menschen Mut zusprechen, positiv zu denken, und ihnen alle
Unterstützung geben, ihre Ausbildung oder ihr Studium erfolgreich
anzugehen, damit sie zukünftig verantwortungsvoll Wertbeiträge für
unsere Gesellschaft erbringen können." Bei Henkel begrüßt man die
Einrichtung von Bachelor- und Master-Studiengängen. Das Unternehmen
bietet schon heute Einstellmöglichkeiten für Absolventen mit Bachelor-
und Master-Abschluss, z.B. in der Produktentwicklung oder im
technischen Außendienst.
Die Anforderungen, die Schering AG an junge
Chemiker stellt, fasst Professor Dr. Rainer Metternich, Leiter des
europäischen Forschungszentrums in Berlin, kurz und knapp zusammen:
erstklassige Abschlüsse, kurze Studiendauer, Doktortitel, ein
Post-Doc-Aufenthalt in einer renommierten Forschungsgruppe,
Auslandsaufenthalt, sehr gute Englischkenntnisse und vor allem
exzellente Chemiekenntnisse. Sehr wichtig sei aber auch eine starke
Persönlichkeit mit der Fähigkeit, logisch und systematisch zu handeln.
Erforderlich sind weiterhin Bereitschaft zum Team Work, und
Konfliktmanagement, vernetztes Denken, Kreativität, schnelle
Entscheidungsfindung, Bestimmtheit, Führungsqualitäten,
Verantwortungsbewusstsein, Lernwilligkeit, Motivation, Mobilität und
Flexibilität sowie Kommunikationsfähigkeit.
Die Einführung von Bachelor- und
Masterstudiengängen wird bei Procter&Gamble in Deutschland positiv
gesehen. "Bereits heute werden unsere neuen Mitarbeiter nicht mehr auf
dem deutschen Arbeitsmarkt gesucht, sondern auf dem europäischen. So
haben viele unserer Mitarbeiter, die in der Entwicklung oder
Produktion tätig sind, einen Bachelor- oder Masterabschluss im Ausland
gemacht und konnten in leitende Positionen wachsen. Eine solide
Grundausbildung, die die Studenten noch in jungen Jahren auf den
Arbeitsmarkt bringt, wird von uns begrüßt und unterstützt. Eine
Überqualifikation, verbunden mit höherem Alter, ist immer ein
Wettbewerbsnachteil. Insofern erwarten wir, dass sich die Chancen der
deutschen Hochschulabgänger im europäischen Wettbewerb verbessern",
sagte Dr. Detlef Schermer, Direktor bei der Procter& Gamble Service
GmbH in Schwalbach. |